Mögliche Ursachen im Vogtareuther Wassers-Rätsel

Keime im Trinkwasser: Das sagen die Behörden

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Vogtareuth - Die Spekulationen um die gehäufte Trinkwasserverunreinigung in der Gemeinde dauern fort. Was sind die Gründe für die erneute Verschmutzung mit coliformen Keimen? Unsere Redaktion erkundigte sich bei den zuständigen Behörden.

Bereits zum wiederholten Male ist das Trinkwasser in Vogtareuth mit coliformen Keimen verseucht. Mitte August wurde die betroffene Bevölkerung aufgefordert, das Trinkwasser vor dem Verbrauch abzukochen. Nachfolgende Wasserproben waren ohne Befund, sodass die Verordnung wieder aufgehoben wurde.

Seit Dienstag und voraussichtlich noch bis Samstag werden die Rohre gechlort, da auf Grund engmaschiger Kontrolluntersuchungen erneut coliforme Keime im Trinkwasser gefunden wurden. Am Montag sprach rosenheim24.de mit Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter zu den Vorfällen.

Die Spekulationen für die Trinkwasserverunreinigung in Zuständigkeit des Wasserbeschaffungsverbandes in Vogtareuth zielen in unterschiedliche Richtungen. Da einige User unseres Portals noch immer die Landwirtschaft beschuldigen, hat rosenheim24.de bei den verantwortlichen Ämtern und Verbänden nachgefragt.

Düngemittelverordnung der EU in Oberbayern

Das Fachzentrum für Agrarökologie in Pfaffenhofen kontrolliert in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Rosenheim die Einhaltung der Düngemittelverordnung im betroffenen Gebiet. Wie Max Stadler vom Fachzentrum für Agrarökologie angab, gewährleisten diverse Überprüfungsmaßnahmen die Einhaltung der Düngemittelverordnung. Ein Zuständiger sei in Oberbayern mobil im Einsatz, um die von der EU erlassenen Einschränkungen durchzusetzen.

Es würden weiters stichprobenartige Kontrollen vor Ort durchgeführt, um zu prüfen, ob die Gülle gut im Boden eingearbeitet sei. Bei diesen Stichproben würde zudem der Viehbestand der Bauern überprüft. Auch am Ende der Sperrfrist, deren konkrete Dauer jedes Jahr neu festgelegt und die in etwa von November bis Februar verhängt wird, fänden Kontrollen vor Ort statt. In dieser Zeit dürfe gar nicht gedüngt werden. Die Menge die pro Jahr, Landwirt und Hektar ausgebracht werden darf beträgt, nach Auskunft des AELFs, 170 Kilogramm Stickstoff aus tierischer Produktion.

Verschärfte Düngemittelbeschränkung im Wasserschutzgebiet

Auf mögliche Verstöße aufmerksam gemacht würde das Fachzentrum unter anderem auch durch die Ämter vor Ort und Privatpersonen. "Es gibt", so Stadler weiter, "immer wieder einzelne Fälle." Jedoch sei die Gesamtanzahl der sich nicht an die Verordnung haltenden Landwirte verschwindend gering. "Die tatsächlich ausgebrachte Menge an Düngemitteln kann allerdings keiner kontrollieren", erklärt Herr Stadler. 

Zusätzlich zu der durch die EU beschlossene Düngeverordnung hat der Wasserbeschaffungsverband (WBV) zusammen mit dem Gesundheitsamt und dem Landratsamt Rosenheim eine verschärfte Düngemittelbeschränkung im Wasserschutzgebiet ausgesprochen. Dazu wurden Verträge mit den einzelnen Landwirten im betroffenen Gebiet geschlossen, die beinhalten ob, wo, wann und wie viel gedüngt werden darf. 

Der Bürgermeister Vogtareuths, Rudolf Leitmannstetter, versicherte: "Der Wirtschaftsbeschaffungsverband schaut mit Argusaugen darauf, dass die Verträge eingehalten werden." Auch die UV-Anlage wurde laut Herrn Leitmannstetter inzwischen überprüft und sei intakt. Ebenso seien weitere Proben, sowohl vor als auch nach der Anlage, entnommen worden, deren Ergebnis noch aussteht.

Sind veraltete Drei-Kammer-Gruben Schuld an der Verseuchung?

Einen möglichen Grund für die Verkeimung sieht das AELV in der Problematik der Drei-Kammer-Gruben. Diese Klärgruben wurden vor etwa 50 bis 80 Jahren von Privathaushalten zur eigenen Klärung ihrer Abwässer angelegt. Auf http://www.hausjournal.net/ wird die Funktionsweise der Gruben erläutert.

Demnach passiere das Abwasser bei der Entwässerung alle drei Gruben. In der ersten Grube lagere sich Sediment ab, dadurch bilde sich Schlamm, welcher mit der Zeit abfaule. Der gleiche Prozess geschehe in Kammer Nummer zwei. Das zum zweiten Mal gereinigte Wasser könne anschließend über eine Nachklärkammer in ein Rohr oder in eine Pumpe abfließen.

Seit 2015 dürfe dieses Klärsystem als alleinige Abwasserreinigung nicht mehr betrieben werden. Durch altersbedingte Beschädigungen der Anlagen könnten Keime in die Trinkwasserversorgung geraten sein.

Konkrete Hintergründe liegen nicht vor. Wir halten Sie über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden!

Annalina Jegg

Quelle: rosenheim24.de

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