Schulturnhallen-Belegung

"Vorübergehend geht das schon"

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Schulen und Vereine müssen sich Alternativen zur Halle einfallen lassen. Vorübergehend werden Turnhallen mancherorts anders genutzt.
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Landkreis - Immer wieder kommt es zu aktuellen Meldungen, welche Turnhallen vom Landkreis für die Unterbringung von Asylbewerbern angedacht sind. Wie sehr fehlt der Schulsport dann?

In einigen Schulturnhallen sind bereits Asylbewerber untergebracht, in Wasserburg wird es bis Ende November soweit sein: In der Realschulturnhalle werden annähernd 200 Asylbewerber untergebracht. Die Dauer der Belegung ist unklar, es wird spekuliert.

Peter Peltzer war lange Jahre selbst Schulleiter, ist jetzt als Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises "Schule Bildung Sport" (AKS) aktiv. Er ist überzeugt davon, dass eine Belegung der Schulturnhallen in den Landkreisen auf absehbare Zeit keine großen Einschnitte geben werde, doch der Zeitraum sei ein entscheidender Faktor. "Wenn die Schulen planen können und für einige Wochen oder wenige Monate den Schulsport verändern müssen, kann das funktionieren. Es gibt Ausgleichsmöglichkeiten", so Peltzer im Gespräch mit wasserburg24.de. Bedenken müsse man viel mehr die Trainingsausfälle von Vereinen. "Hier gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten", betont Peltzer.

Weil jedoch nicht wirklich absehbar sei, wann der Flüchtlingsstrom vorbei sei, müsse man langfristig bedenken, dass Schüler natürlich ein Anrecht auf Sport haben.

Willkommenskultur sei groß

Der langjährige Bildungsexperte sieht derzeit viel Verständnis bei den Eltern der Schüler, die es momentan und in naher Zukunft betreffe, dass Schulturnhallen nicht mehr für den Schulsport genutzt werden können. Die Willkommenskultur sei groß, findet Peltzer. Begeistert äußert er sich über die Übergangsklassen, die eingerichtet wurden für schulpflichtige Kinder aus Flüchtlingsfamilien. So könne intensiv deutsch gelernt und der Leistungsstand herausgefunden werden.

Schulalltag normal?

Auf Anfrage von wasserburg24.de konnte sich Peter Peltzer mit Schulleitern und Vostandsmitgliedern des AKS austauschen und Meinungen einfangen.

Wie können die Schulen diese Herausforderung schaffen?

Einig sind sich die Pädagogen darüber, dass im Vorfeld teilweise zu wenig Information an die Eltern weitergegeben werde. "Unmut darüber, dass sich Kinder durch eingeschränkten Sportunterricht zu wenig bewegen würden, verstehe ich jedoch nicht", heißt es beispielsweise von einer Pädagogin aus dem Landkreis Rosenheim.

Klassenzimmer-Sport sei keine Alternative, um Kindern fehlenden Sport in der Halle zu ersetzen. "Wir können nicht wieder Morgengymnastik und Kniebeugen einführen. Da kommen dann reihenweise Atteste, warum der Schüler keine Kniebeugen machen darf", klingt es von Lehrern gleichermaßen.

An manchen Schulen ergeben sich Probleme im Bereich der Transportkapazitäten. So könnten teilweise Schüler nicht mehr zum Schwimmunterricht gefahren werden, weil keine Buskapazitäten mehr zur Verfügung stünden, bemerkte ein Familienvater. 

Grundsätzlich allerdings sei es möglich, vorübergehend Möglichkeiten von Sportunterricht auch ohne Turnhallennutzung zu erteilen, ist sich ein weiterer Bildungsexperte sicher. "Dies funktioniert zeitlich begrenzt und thematisch abgestimmt sogar sehr gut", so der Experte. Auf Dauer könne jedoch nicht auf eine Hallennutzung verzichtet werden, wenn man den Inhalt des Lehrplans exakt umsetzen will, betonen langjährige Pädagogen.

Derzeit werden an betroffenen Schulen nicht alle Sportstunden komplett gestrichen, sondern durch Alternativen ergänzt. So gehen einige Klassen Schlittschuhfahren oder bewegen sich bei schönem Wetter draußen. Weil die Kommunen und der Landkreis keine Alternativen zur Turnhallenbelegung aus dem Ärmel schütteln können, bleibt den Schulen nichts anderes übrig, als hier das Beste aus der Situation zu machen. "Vorübergehend geht das schon", schließt Peter Peltzer das Gespräch.

Quelle: rosenheim24.de

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