Prozess um Attacke in Bad Aibling

Messer-Angriff: So lange muss der Pakistani ins Gefängnis

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Traunstein/Bad Aibling - Nach einer schweren tätlichen Auseinandersetzung in einem Wohncontainer in Bad Aibling musste sich ein Pakistani (31) am Dienstag vor dem Schwurgericht verantworten. Am späten Nachmittag ist das Urteil gefallen:

UPDATE, 17 Uhr: Das Urteil

Richter Erich Fuchs hat das Urteil verkündet: Der Angeklagte wird wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Haftfortdauer wird angeordnet.

Als Motiv sieht der Richter Beleidigungen, als hauptsächliches Motiv jedoch die Eifersucht und den Zorn auf den Geschädigten auf Grund der Gespräche der Zeugin mit dem Geschädigten. Der Angeklagte habe sich Hoffnungen auf eine Beziehung mit der Zeugin gemacht. Der Richter geht davon aus, dass mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt wurde.

UPDATE, 15.50 Uhr: Die Plädoyers

Staatsanwalt Mößner hält die Tat vollumfänglich für erwiesen. Auch einen Tötungsvorsatz halte er auf Grund der Wucht und der Tiefe der Stiche für nachgewiesen. Eifersucht und die vorangegangenen Beleidigung seien für den Staatsanwalt ein nachvollziehbares Motiv. Auch seine Äußerungen „Jetzt bist du fertig“ unterstützen die Tötungsabsicht. Der Angeklagte habe dem Geschädigten auch nach der Tat nicht geholfen, er habe gebilligt, dass der Geschädigte an den Verletzungen sterben könnte. Die Tatbestände des Versuchten Totschlags und der schweren Körperverletzung sieht Mößner als erwiesen an.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Verteidiger Baumgärtl legt dar, dass das Verständnis einer Beziehung von Seiten des Angeklagten ein anderes sei. Er wolle keine anderen Männer im Kreis seiner Frau haben. Auch die Aussage des Geschädigten, es habe zuvor keine Konflikte gegeben, halte der Verteidiger für schwierig. Die Zeugin H. habe schlichtend eingegriffen. Der Angeklagte sei affektiv aufgewühlt gewesen. Die ersten Stiche seien in den Oberarm erfolgt, ein Abdrehen des Geschädigten habe dann ergeben, dass die weiteren Stiche in den Rücken gesetzt wurden.

Eine Mordabsicht sei sicherlich nicht zu erkennen. Es stehe für Baumgärtl nun die Frage der versuchten Tötungsvorsatzes im Raum. Gegen den Tötungsvorsatz spreche, dass der Angeklagte die ersten Stiche in den Arm gesetzt habe, obwohl ihm jederzeit möglich gewesen sei, ihn anders zu verletzen.

Die Angaben des Geschädigten seien für Baumgärtl schlichtweg falsch. Der Angeklagte habe seiner Meinung nach nie gesagt „Jetzt bist du fertig“.

Auch die Spontantat spreche gegen den Tötungsvorsatz. Klar fest stehe eine gefährliche Körperverletzung mittels einer Waffe und mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung. Baumgärtl sieht eine volle Schuldfähigkeit für gegeben.

Dass der Angeklagte sich nach der Tat selbst gestellt habe, sei bei der Strafzumessung zu berücksichtigen, ebenso die Tatsache, dass er sich bereits seit sechs Monaten in Haft befinde.

Der Verteidiger sieht auch einen übersteigerte Instabilität auf Grund der Beleidigungen zu berücksichtigen.

Baumgärtl fordert eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren.

Das letzte Wort des Angeklagten, der sichtlich mitgenommen scheint: „Das war ein Unfall“

In etwa einer halben Stunde wird das Urteil verkündet.

UPDATE, 15.40 Uhr: Medizinische Gutachten

Rechtsmedizinerin Dr. med. Bettina Zinker trägt nun den medizinischen Bericht vor. Der Geschädigte wies laut Gutachten Schürfverletzungen und elf Hautverletzungen auf, vermutlich Stichverletzungen, wovon sechs sicher feststellbare Messerverletzungen seien. Die Verletzungen seien zum Zeitpunkt der Begutachtung schon zugenäht und versorgt gewesen, da der Patient sechs Tage nach der Tat zur Begutachtung kam. Die Verletzungen rühren laut der Medizinerin von scharfer Gewalteinwirkung her.

Außerdem habe der Geschädigte Hautverletzungen am linken Oberarm aufgewiesen.

Bei Eintreffen des Notarztes vor Ort seien Atemnot sowie schwere Verletzungen des Toraxbereichs durch Stichverletzungen festgestellt worden. Der Notarzt habe sich auf Grund der Verletzungen dazu entschieden, den Geschädigten so schnell wie möglich in den OP zu bringen. Beide Lungenflügel seien zusammengefallen. Ebenfalls seien zwei Rippenbrüche diagnostiziert worden.

Es habe Lebensgefahr bestanden.

Beim Geschädigten sowie Angeklagten seien laut Blutentnahme keine Hinweise auf Alkoholisierung und Drogeneinfluss festgestellt worden.

Affekttat liegt nicht vor

Dr. Eberl, Facharzt für Psychatrie am Innsalzach Klinikum, sollte ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des Angeklagten erstellen. Der Angeklagte habe in Pakistan nie,in Griechenland selten und in Deutschland oft Alkohol getrunken.

Vor der Tat habe er sich zwei mal in psychatrischer Behandlung am Innsalzachkinikum auf Grund von erheblicher Alkoholisierung befunden. Dort habe er den Kopf gegen die Wand geschlagen.

Nach der Tat habe er sich ebenfalls wieder vier Wochen im Innsalzachklinikum befunden, da er seinen Kopf auch im nüchternen Zustand gegen die Wand geschlagen.

Der Angeklagte habe zum behandelnden Arzt nur wenig Kontakt aufgenommen, Blickkontakt vermieden, stellte Eberl in seinem Psychopathologischer Befund fest. Der Angeklagte habe auch davon berichtet, Stimmen gehört zu haben, diese Beschreibungen haben aber nicht dem Bild eine schizophrenen Psychose entsprochen. Der Angeklagte habe jedoch einen depressiven, antriebsarmen Eindruck gemacht. Anhaltspunkte für einen Suchterkrankung gebe es nicht, ebenso für eine schwere Depression.

Das formale Denken sei völlig intakt. Psychotische Affektstörungen seien nicht feststellbar gewesen. Auch eine Affekttat liege nicht vor.

Aus psychiatrischer Sicht liegen keine Anhaltspunkte für die Notwendigkeit einer Unterbringung im Innsalzach-Klinikum vor.

Dr. Eberl sieht unter dem soziokulturellen Hintergrund auch eine übertriebene Eifersucht für nicht gegeben. Es folgen die Plädoyers.

UPDATE, 13.25 Uhr: Weiterer Zeuge sagt aus

Zeuge M. wohnt auch in der Unterkunft in der Krankenhausstraße. Sein Zimmer liegt neben dem Zimmer des Angeklagten. Er kenne den Angeklagten, sein Verhältnis ihm gegenüber sei sehr gut gewesen, da er seine Sprache spreche. Sein Verhältnis zum Geschädigten beschreibt er als gut und "nachbarlich".

Konflikte mit dem Geschädigten habe er nicht wahrgenommen. Er habe aber in der Vergangenheit die Polizei ein paar mal alarmiert, da es dort oft Konflikte gebe. In der Unterkunft gebe es keinen Frieden und keine Sicherheit.

Am 5. Februar habe er einen Streit mitbekommen, bei dem es um eine Frau gegangen sei. Das Problem des Angeklagten sei aber gewesen, dass er sehr oft betrunken gewesen sei. Er sei aber nicht gefährlich gewesen. Es sei ein freundschaftliches Verhältnis gewesen.

Angeklagter habe eine Beziehung zu der Zeugin H. gehabt

Am Tattag habe er einen Streit auf dem Gang mitbekommen bei dem es darum gegangen sei, dass der Geschädigte dem Angeklagten die Frau wegnehmen wolle, was aber nicht der Fall gewesen sei. Dann habe der Angeklagte schwarz gesehen, habe den Verstand verloren und ein Messer geholt. Der Zeuge M. habe zuvor gehört, dass der Angeklagte den Geschädigten schlagen wolle. Er habe den Angeklagten dann gesehen wie er in das Zimmer gegenüber gelaufen sei und ein Messer geholt habe. Zeuge M. habe dann zum Angeklagten gesagt, dass er sofort damit aufhören solle, da beide seine Freunde seien.

Der Angeklagte habe dann wild auf den Geschädigten eingestochen. Gesprochen habe keiner, nur Zeugin H. habe immer wieder gesagt er solle aufhören. Zeuge M. Habe die Sachen in seiner Hand abgestellt, sei dann zum Ort des Geschehens gelaufen und habe gedroht, er werde auch sein Messer holen.

Um 14 Uhr geht die Verhandlung weiter.

UPDATE, 12.45 Uhr: Vernehmung der Zeugin H.

Die Zeugin H. (51) spricht nur relativ schlecht deutsch, weswegen eine Dolmetscherin anwesend ist. Sie kenne den Angeklagten und habe eine Affäre mit ihm. Neben ihrem Hauptberuf arbeitet sie als Betreuerin von Asylbewerbern.

Der Angeklagte sei oft eifersüchtig gewesen, wenn sie mit anderen Männern gesprochen habe, er sei kompliziert und schwierig gewesen. Manchmal sei er "so lieb" gewesen, aber dann wieder sehr schnell beleidigt und aufbrausend. Sie habe jedoch selbst nicht gesehen, dass er anderen gegenüber aggressiv gewesen sei.

Affäre mit dem Angeklagten

Sie habe eine Affäre mit dem Angeklagten gehabt. Allgemein habe der Angeklagte es nicht gemocht, wenn sie mit Männern sprach. Eine sexuelle Beziehung zum Geschädigten habe sie definitiv nicht gehabt. Der Angeklagte sei eifersüchtig gewesen, wenn sie mit dem Geschädigten gesprochen hat.

Am Tattag habe es einen Gottesdienst auf Englisch gegeben, und sie sei der Meinung gewesen, dass vielleicht einer der Bewohner mitkommen möchte. Der Angeklagte sei dann der Meinung gewesen, dass sie die Moslems von einem anderen Glauben überzeugen wolle. Der Geschädigte habe eine offenere Sicht auf die religiösen Dinge gehabt.

Ihrer Meinung nach sei der Angeklagte bei dem Streit vor der Messerstecherei der deutlich Aggressivere gewesen. Verstanden habe sie jedoch nichts, der Ton habe sie aber verstehen lassen, dass es sich um einen Konflikt handle. Sie habe versuchen wollen, die Männer zu trennen und einen weiteren Konflikt zu verhindern.

"My girlfriend, my girlfriend"

Die drei Beteiligten seien dann in die Unterkunft hineingegangen. Der Geschädigte versuchte dann mit seinem Schlüssel die Zimmertüre zu öffnen, was ihm nicht gelang. Der Angeklagte sei dann in ein anderes Zimmer gegangen und zurückgekehrt und habe auf den Geschädigten eingestochen. Zunächst habe sie das Messer nicht gesehen, sie dachte es wären nur die Fäuste gewesen. Erst als sie das Blut gesehen habe, habe sie auch gesehen, dass es ein Messer war. Sie habe versucht den Angeklagten vom Geschädigten zurückzuziehen. Dieser habe dann vom Geschädigten abgelassen und immer laut und deutlich auf Englisch gesagt: "My girlfriend, my girlfriend!"

Unter Tränen erzählt Zeugin H. nun weiter, dass der Angeklagte sich dann vom Tatort entfernt habe und das Messer über den Zaun geworfen habe. Sie habe ihn dann immer wieder gefragt: "Weißt du, was du getan hast?" Anschließend sei sie wieder zurück zum Geschädigten gegangen und fand diesen blutüberströmt an der Wand lehnend vor.

Während der Tat habe sie nicht gehört, dass die Beiden miteinander gesprochen hätten.

Verteidiger Baumgärtl wollte wissen, ob sie irgendwelche Anhaltspunkte habe, dass der Angeklagte gedacht haben könnte, dass sie ihren Mann verlassen werde. Die Zeugin antwortete darauf, dass der Angeklagte manchmal über Hochzeit gesprochen habe, sie aber immer gesagt habe dass es 20 Jahre zu spät sei.

Persönlichkeit des Angeklagten

Sie habe zur Polizei gesagt, dass der Angeklagte nicht ganz richtig im Kopf sei. Das mache sie an einigen Dingen, die er gesagt und getan habe, fest. Er sei von einer Minute auf die andere erst "sehr lieb gewesen und dann sehr ärgerlich". Sie habe nicht gewusst warum. Aus keinem klaren Grund habe der Angeklagte seine Hände um ihren Hals gelegt, habe aber keinen Druck angewendet.

Außerdem habe der Angeklagte öfter über Kopfschmerzen geklagt. Auf ihre Frage hin, was mit seine Kopfschmerzen sei, habe er immer gesagt, dass er es nicht wisse.

Von Stimmen habe er nicht konkret gesprochen, aber er habe öfter gesagt, dass sein Gott ihm sage, was er tun solle und ihm den Weg weise. Nach Deutschland sei er ihrer Meinung nach gekommen, um ein besseres Leben zu bekommen.

Zur Eifersucht äußerte sie sich dahingehend, dass sie auch glaube, dass seine Religion und seine Kultur eine Rolle spielen. Er sei oft ärgerlich gewesen, wenn sie nach Hause gehen wollte.

UPDATE - 11.35 Uhr: Das Opfer sagt aus

Nun wird der Geschädigte in den Zeugenstand gerufen.

Dieser sagt aus, dass er mit dem Angeklagten drei bis vier Monate im selben Zimmer gewohnt habe. Das Verhältnis sei in Ordnung gewesen, Streit habe es nicht gegeben. 

Am 5. Februar sei die Sozialarbeiterin gekommen, und habe gesagt, dass diejenigen, die Englisch sprechen mit in die Kirche gehen können. Der Angeklagte habe dann Probleme gemacht, da er Moslem sei und deswegen nicht in die Kirche gehen wollte. Er habe den Geschädigten dann beleidigt. Dann habe es einen Alarm gegeben, weil in der Küche sehr viel Rauch gewesen sei.

Er habe dann mit dem Angeklagten eine Diskussion gehabt. Die Frau habe das nicht verstanden, da diese nur Englisch spricht. Die Diskussion habe sich nur um die Kirche gedreht. Der Angeklagte habe ihm gesagt, was er tue sei nicht gut.

Der Geschädigte schildert, dass der Angeklagte dann auf ihn eingestochen habe und ihn anschließend am Hals an der Wand hochgezogen. Dann habe er sieben Tage nicht gewusst, was mit ihm passiert sei. Er sei operiert worden und dann 13-14 Tage im Krankenhaus verblieben. Aktuell fühle er sich, als hätte er einen elektrischen Schock erlitten. 

Er habe keinen festen Griff. Außerdem habe er Atemschwierigkeiten, er könne höchstens 20-25 Minuten gehen. Er sei noch in ständiger ärztlicher Behandlung. Seit der Tat leide er unter Angstzuständen. Seine Mutter in Pakistan habe eine Herzattacke bekommen, als sie davon hörte und deswegen sei er auch sehr besorgt.

Laut des Geschädigten habe es mit dem Angeklagten nie Streit gegeben, er wisse selber nicht, warum er ihn töten wollte. Den Grund, warum der Angeklagte auf ihn eingestochen habe, wisse er nicht. Die Zeugin H. könne seiner Meinung nach eine Rolle spielen. Der Angeklagte habe ein Verhältnis mit der Zeugin H. gehabt, er selber nicht. Es sei möglich, dass der Angeklagte davon ausgegangen sei, dass er ein Verhältnis mit ihr gehabt habe. 

Auf die Frage, ob der Geschädigte den Angeklagten beleidigte, antwortete er, dass er vom Angeklagten zuerst beleidigt wurde und er diesen daraufhin ebenfalls beleidigte.

In der Vergangenheit hat es schon einmal einen Polizeieinsatz gegeben, worauf Richter Fuchs den Geschädigten anspricht. Es habe nach dessen Aussage einen Streit mit einem Gast gegeben.

Der Angeklagte sei öfter betrunken und aggressiv gewesen und habe schon zwei mal in der Unterkunft randaliert. Am Tattag habe der Angeklagte die Zeugin H. mit schlimmen Wörtern beschimpft. Er sei schon öfter eifersüchtig gewesen. 

UPDATE - 10.30 Uhr: Das sagte der Angeklagte aus

Laut Verteidiger Baumgärtel möchte sich der Angeklagte zu seinen persönlichen Verhältnissen äußern, er bittet den Vorsitzenden Richter Fuchs jedoch Fragen zu stellen.

Der Angeklagte sei in Pakistan bei seiner Familie aufgewachsen und habe nach eigener Aussage fünf Geschwister. Er sei in einer Fabrik tätig gewesen, in der Lederfußbälle hergestellt werden. Seine Mutter sei Hausfrau gewesen. Er besuchte ungefähr sieben Jahre eine Schule und danach half er seinem Vater in der Arbeit in der Fabrik. Auch auf dem Feld habe er gearbeitet.

Er sei 2008 oder 2009 schließlich nach Griechenland gegangen um dort zu arbeiten, weil er sich erhofft habe dort besser zu verdienen. Auf Kreta habe er dann Schafe und Ziegen gehütet. Dort habe er nach eigener Aussage fünf bis sechs Jahre gearbeitet. Im Sachbericht habe er jedoch angegeben nur zwei Jahre in Griechenland gearbeitet. Auf Nachfrage des Richters äußerte er sich dahingehend, dass er sich nicht mehr erinnern könne

Nach seiner Zeit in Griechenland habe er sich von einem Schleußer für etwa 400-500 Euro nach Deutschland bringen lassen.

Er selbst lebe in einem Zimmer mit vier Personen. Alle Betreuer in Bad Aibling seien seine Freundinnen gewesen. Zur Zeugin H. habe er eine besondere Beziehung gehabt. Mit ihr habe er auch sehr oft Sex gehabt, wie oft genau wisse er jedoch nicht. Er selber sei noch nie verheiratet gewesen und habe keine Kinder.

Ab und zu habe er Alkohol getrunken, aber erst seit er in Deutschland sei. Er habe das getan, weil die anderen auch Alkohol getrunken haben. Drogen habe er keine genommen.

Er habe Stimmen gehört, die ständig seinen Namen rufen, das sei der Fall, wenn er viele Sorgen habe. Die Stimme seines Opas habe er schon in Griechenland gehört. Sie sage „Wo sind deine Ziegen?“ In Deutschland habe er auch Ziegenstimmen gehört.

Er leide zudem an einer Gedächtnisschwäche. Die Zeugin H. habe laut Richter Fuchs angegeben, dass der Angeklagte häufig unter Kopfschmerzen leide.

Bevor er die Tat beging, habe er Kopfschmerzen gehabt, und sei sehr durcheinander gewesen. Ziegenstimmen habe er zu diesem Zeitpunkt nicht gehört.

Verteidiger Baumgärtl fragte nach, ob er wisse, dass die Zeugin H. auch Geschlechtsverkehr mir anderen Männern und dem Geschädigten gehabt habe? Er wisse, dass die Zeugin mit dem Geschädigten etwas gehabt habe, dies habe er jedoch nicht selber gesehen, sondern der Geschädigte habe es ihm erzählt. Auch habe er von anderen gehört, dass sie mit anderen Männern etwas gehabt habe.

Verteidiger Baumgärtl gab an, dass sich der Angeklagte nicht mehr an die Tat erinnern könne. Es habe häufig Streit mit dem Geschädigten gegeben, dieser habe ihn oft beleidigt. Der Angeklagte habe erst realisiert, was er getan habe, als er das Blut gesehen habe.

Am Tattag sei er dabei gewesen Essen zubereiten, als der Geschädigte ihn beleidigt, geohrfeigt und sein Hemd zerrissen habe. Zu diesem Zeitpunkt habe er aber noch nichts gemacht. Der Geschädigte habe zu ihm gesagt „Ich ficke deine Mutter“.

Dann wisse er nicht mehr, was passiert sei. Er sei wütend geworden, als er eine Ohrfeige vom Angeklagten bekommen habe. Früher sei er auch schon vom Geschädigten geschlagen worden. Wie oft er zugestochen hat wisse er nicht mehr. Er könne sich auch nicht mehr erinnern, warum er aufgehört habe.

Als er die Tat wahrgenommen habe, sei er selbst zur Polizei gegangen, weil er sich überlegt habe was er getan hat. Die Stiche haben nichts mit der Zeugin H. zu tun. Er wisse auch nicht mehr, ob die Zeugin H. zum Tatzeitpunkt vor Ort gewesen sei.

UPDATE 9.25 Uhr: Anklage lautet auf versuchten Totschlags

Staatsanwalt Mößner verliest nun die Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft legt aufgrund ihrer Ermittlungen dem Angeschuldigten folgenden Sachverhalt zur Last:

Am Abend des 5. Februar 2016 sollen der Angeklagte und der Geschädigte in ihrer Asylunerkunft in Bad Aibling in Streit geraten sein. Der Angeschuldigte sei im Hinblick auf die Zeugin H. eifersüchtig gewesen. 

Unmittelbar vorher habe der Geschädigte den Angeklagten massiv beleidigt, woraufhin dieser aus seinem Zimmer ein spitz zulaufendes Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 13,5 cm geholt habe. Damit soll er mehrfach auf den Geschädigten eingestochen haben. Zunächst in den linken Oberarm und anschließend mehrere Male mit großer Wucht in den Rücken. Die Zeugin H. habe währenddessen den Angeklagten versucht wegzuziehen. 

Der Angeschuldigte habe nun das Messer fallen lassen, nachdem die Klinge abgebrochen sei. Der Geschädigte habe den Angeschuldigten wegen der Messerattacke beschimpft woraufhin er vom Angeklagten am Hals gepackt und an der Wand hochgezogen worden sei, bis er von der Zeugin H. erneut weggeschoben worden sei. Der Angeklagte sei dann nochmals auf den zwischenzeitlich zu Boden gegangenen Geschädigten los und habe die Worte „Jetzt bist du fertig!“ geäußert. Erst als Zeugin H. zum Angeklagten gesagt habe, er hole selbst ein Messer, wenn er nicht aufhöre, habe der Angeschuldigte vom Geschädigten abgelassen und sich entfernt.

Der Angeklagte habe nach Auffassung des Staatsanwaltes in der Absicht gehandelt, den Geschädigten zu töten.

Weiter legt Staatsanwalt Mößner die Verletzungen des Geschädigten dar: „Der Geschädigte erlitt insgesamt sieben Stichverletzungen, vier im oberen und mittleren Rückenbereich. Und drei im linken Oberarm. Zwei der Stiche verletzten die linke und rechte Lunge, was zu einem beidseitigen Hämatopneumothorax und einer Verletzung der Rippenarterie führte. Außerdem wurde die sechste und siebte Rippe durchtrennt.

Der Geschädigte wäre ohne oder bei verzögerter ärztlicher Versorgung an den Folgen der beidseitigen Lungenverletzung gestorben. Sein Brustkorb habe geöffnet werden müssen, das eingesickerte Blut entfernt und die Verletzungen der Lungen und der Rippenarterie vernäht werden.

Der Geschädigte habe nach Aussage des Staatsanwaltes immer noch Schmerzen in der Brust und Atembeschwerden. Durch das Packen am Hals habe er noch mehrere Wochen nach der Tat Schluckschmerzen gehabt.

Der Angeklagte wird daher wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Vorbericht: 

Am 5. Februar soll ein Asylbewerber aus Pakistan (31) in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Krankenhausstraße in Bad Aibling von seinem ebenfalls 31-Jährigen Landsmann lebensbedrohlich mit einem Messer verletzt worden sein. 

Im Verlauf eines Streites habe der Täter seinen Kontrahenten mit einem Messer niedergestochen und sei anschließend geflüchtet. Wenig später habe er sich der Polizei gestellt und wurde festgenommen.

Es wurde Haftbefehlwegen versuchten Totschlags erlassen, der Tatverdächtige kam in Untersuchungshaft in eine JVA.

Der Schwerverletzte kam sofort in ein Klinikum. Ermittler des Fachkommissariats K1 der Kripo Rosenheim übernahmen unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat die Untersuchungen.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein erhebt nun Anklage gegen den Täter. Der 31-Jährige muss sich am 12. Juli ab 9 Uhr wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung vor dem Schwurgericht Traunstein verantworten. 

**Wir berichten live aus dem Gerichtssaal.**

Da es im Kommentarbereich unter diesem Artikel zahlreiche Beleidigungen und Verstöße gegen unsere Netiquette gab, wurde die Kommentarfunktion unter diesem Artikel deaktiviert!

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion

Live: Top-Artikel unserer Leser