Nimmt der Planer seinen Hut?

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So sollte der Marktplatz nach der Umgestaltung aussehen.

Neubeuern - Nachdem die Neubeurer klar gegen eine Neugestaltung des Marktplatzes gestimmt haben, denkt Städteplaner Klaus Immich jetzt offenbar an Rückzug.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Städteplaner denkt an Rückzug

Nach dem ablehnenden Bürgervotum vom Sonntag für seine von ihm und der Gemeinderats-Mehrheit favorisierte Planung für die Umgestaltung des Marktplatzes (wir berichteten) trägt sich Städteplaner Klaus Immich mit Rückzugsgedanken. Vor einer endgültigen Entscheidung will er aber noch mit Bürgermeister Josef Trost und dem Gemeinderat reden.

Klaus Immich bei einer Begehung des Marktplatzes im vergangenen Jahr.

Immich lässt auch jetzt keinen Zweifel daran, dass seiner Meinung nach mit der Ablehnung seiner Planung "die beste Variante" nicht mehrheitsfähig war. Er respektiere dieses Votum selbstverständlich, sei aber enttäuscht. Fakt sei, dass sich die vorliegende Planung nicht modifizieren lasse. Der Architekt hält nichts davon, am Hofwirtsbichl nur den Asphalt gegen Plastersteine auszutauschen. Dies sieht die sogenannte "kleine Lösung" vor, die vor allem in den Reihen der Bürgerinitiative favorisiert wird, die sich beim Urnengang durchgesetzt hat. "Eine Pflasterung allein macht keinen Sinn. Da tut es der Asphalt noch viele Jahre", sagt Immich.

Er kann sich auch vorstellen, dass die Gemeinde jetzt erst einmal abwartet und in ein paar Jahren einen neuen Anlauf zur Marktplatz-Neugestaltung unternimmt. "Egal, wann es weitergeht, es macht wohl Sinn, wenn dies jemand anderer macht. Mein Name ist immer mit der abgelehnten Planung und dem Umschneiden der Bäume verbunden", so Immich. Da könne es Akzeptanzprobleme geben. "Außerdem kann ich nicht einfach eine andere Lösung aus dem Hut zaubern", nennt er Gründe für seine Rückzugs-Gedanken.

Während sich bei SPD-Gemeinderat Dr. Michael Gierlinger das Bedauern über Immichs möglichen Abschied in Grenzen hält, sieht sein CSU-Kollege Franz Steinkirchner hierfür keinen Grund, obwohl auch er sich auf Seiten der Bürgerinitiative gegen dessen Planung stark machte. "Wir sind ja mit der Pflasterung des Hofwirtsbichls und der Erneuerung des alten Gehweges einverstanden, wir wollen nur keine Abgrabung", stellt Steinkirchner klar. Auf der Basis der "kleinen Lösung" könne Immich seiner Meinung nach weitermachen, wenn er dies wolle.

Gierlinger würde anstelle von Immich lieber das gemeindliche Bauamt in die weiteren Überlegungen enger miteinbeziehen. "Wenn keine rechtlichen Aspekte dagegen sprechen, sollten wir auf jeden Fall die eigene Planungskompetenz stärker nutzen", meint Gierlinger. Er will auf keinen Fall Stillstand am Marktplatz.

Es sei jetzt Aufgabe von Bürgermeister Josef Trost, als Vertreter aller Bürger die Vorgaben des Bürgerentscheides durchzusetzen und die Umgestaltung des Marktplatzes auf dieser Basis voranzubringen.

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Wie berichtet, will Trost das Thema auf die Tagesordnung der morgigen Gemeinderatssitzung setzen. Da steht auch die Vergabe der Arbeiten für den Umbau des Marktplatzes drauf. "Das können wir jetzt streichen", sagt Franz Steinkirchner. Auf eine offene Frage muss der Gemeinderat seiner Ansicht nach jedoch eine rasche Antwort finden. "Wir wissen bisher nicht, ob sich eine Mehrheit im Gremium die Pflasterung des Hofwirtsbichls vorstellen kann oder ob sie jetzt gar nichts mehr machen will am Marktplatz. Da brauchen wir schnell Klarheit", fordert Steinkirchner.

Ortstermin im April letzten Jahres: Damals war Bürgermeister Josef Trost optimistisch, noch 2012 mit der Pflasterung des Marktplatzes beginnen zu können. Wie es jetzt weitergeht, darüber könnte in der morgigen Gemeinderatssitzung erste Klarheit geschaffen werden.

Was die Zukunft der Bürgerbewegung "Pro Neubeuern" betrifft, die sich im Vorfeld des Bürgerentscheides für die Planung der Gemeinde stark gemacht hatte, hält deren Sprecherin Sabine Poll-Plonus eine Auflösung des eher lockeren Zusammenschlusses für wahrscheinlich. "Es gibt keinen Plan B für die Fortsetzung unserer Arbeit nach dem Bürgerentscheid", betonte sie gegenüber dem OVB. Nicht weiterzuarbeiten, das sei die überwiegende Reaktion in einer größeren Runde gewesen, in der Vertreter der Bewegung nach der Abstimmung vom Sonntag beisammengesessen sind. Freilich frage man sich auch, ob Aufhören Sinn mache, schließlich hätten ja 40 Prozent der Neubeurer die Ideen der Initiative mitgetragen.

"Großen Katzenjammer" verursache das Abstimmungsergebnis bei der Initiative jedenfalls nicht. Eine Feststellung ist Poll-Plonus sehr wichtig: "Wir haben uns nicht als das große Gegengewicht zur Bürgerinitiative im Wahlkampf vor dem Bürgerentscheid verstanden."

Norbert Kotter

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Quelle: rosenheim24.de

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