Wenige Tage nach Feuer in Containermodul Soyen

Appell nach Brandanschlag: "Menschlichkeit zeigen"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Nach dem Brandanschlag im Containermodul in Soyen rufen Geistliche zur Solidarität auf.

Soyen - Solidarisch verhalten, unvoreingenommen sein, Verantwortung zeigen. Nach dem Brandanschlag auf ein Containermodul, in das Anfang Februar Flüchtlinge kommen sollen,melden sich örtliche Geistliche zu Wort.

Der Aufruf der Erzbischöflichen Dekanate und der Caritas in Stadt und Landkreis Rosenheim zeigt, wie sehr die Menschlichkeit wieder in den Vordergrund geraten soll.

"Wir sind vom Brandanschlag auf die Asylunterkunft in Soyen tief betroffen. Deshalb haben wir beschlossen, uns mit diesem Aufruf an die Bevölkerung in Stadt und Landkreis zu wenden", heißt es von Vertretern der Caritas.

Angesichts der Entwicklung der Flüchtlingsthematik und der damit verbundenen Herausforderungen appellieren wir dringend an die Bevölkerung, bei deren Bewältigung

konstruktiv mitzuwirken. Wir appellieren, alles Mögliche dazu beizutragen, um pauschalen Vorurteilen, Ressentiments, undifferenzierten Verallgemeinerungen und Feindbildern entgegenzutreten. Diese tragen in keiner Weise zur Lösung der Herausforderungen bei, sondern verschärfen die Probleme immens. Sie stellen – insbesondere aus einer christlichen Sichtweise – keine angemessene Haltung dar.

Gewalt, egal ob verbal, gegen Sachen oder gegen Personen verurteilen wir in aller Schärfe.

Aus christlicher Verantwortung und tiefer Verwurzelung in der christlichen Ethik appellieren wir vielmehr, solidarisch zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und jeden Menschen als einzigartige Person mit eigener Würde wahrzunehmen.

Solidarisch handeln!

„Wir müssen uns stärker bewusst machen, dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind. Es gibt keine politischen oder sozialen Grenzen und Barrieren, die uns erlauben uns zu isolieren, und aus ebendiesem Grund auch keinen Raum für die Globalisierung der Gleichgültigkeit“ (Papst Franziskus, Enzyklika „Laudato si“, Abs 52). Insbesondere als Christen sind wir dazu aufgerufen, Solidarität zu leben.

Solidarisch handeln heißt, bereit zu sein, etwas von dem abzugeben, das wir nicht unbedingt selbst zum Leben brauchen. Teilen! Wir können uns sowohl finanziell beteiligen z.B. durch Spenden, als auch durch ehrenamtliches Engagement oder indem wir je nach unseren Möglichkeiten dazu beitragen, Wohnraum zu schaffen.

Verantwortung übernehmen!

Das Prinzip der Subsidiarität gehört zu den Grundsäulen der christlichen Soziallehre. Dieses Prinzip sagt im Kern aus, dass man nicht warten kann, bis irgendjemand ein Problem löst.

Vielmehr ist jeder Christ zu allererst selbst gefordert, dort wo er wirken kann auch

Verantwortung zu übernehmen. Das Engagement von Ehrenamtlichen in Helferkreisen etc. ist groß. Wir rufen dazu auf, auch weiterhin im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten dazu beizutragen, Menschen, die zu uns kommen zu integrieren.

Den Menschen sehen!

Vorurteile, Stigmatisierungen und Feindbilder widersprechen unserer christlichen Werthaltung.

Es gibt nicht „die Flüchtlinge“, „die Syrer“, „die Deutschen“, „die Mohammedaner“, „die Christen“ usw. sondern es sind jeweils einzigartige Menschen, mit eigener Würde und eigener Persönlichkeit. Das gilt für alle Menschen, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit, von ihrer Hautfarbe oder ihrer Staatsangehörigkeit.

Wenn sich einzelne Personen aus einer Gruppe – wie z.B. in Köln passiert – gesetzwidrig verhalten ist es angemessen, diese Personen nach den Gesetzen unseres Landes zur Verantwortung zu ziehen. Es ist nicht angemessen, deswegen ganze Gruppen in Misskredit zu bringen und kollektiv zu verurteilen.

Wir appellieren an alle, sich gegen Ressentiments und Vorurteile einzusetzen, den Kontakt und die Auseinandersetzung mit den konkreten Menschen zu suchen und die Menschen nach ihrer Person, nicht nach ihrer Gruppenzugehörigkeit, ihrem Glauben oder ihrer Hautfarbe zu beurteilen.

Das Anliegen unterzeichneten:

Für die Erzbischöflichen Dekanate in Stadt und Landkreis Rosenheim

Landkreisdekan Daniel Reichel (Erzbischöfliches Dekanat Rosenheim, Krainstraße 23,

83026 Rosenheim,)

Dekan Thomas Gruber (Erzbischöfliches Dekanat Bad Aibling, Justus-von-Liebig-Str. 6,

83052 Bruckmühl-Heufeld)

Dekan Helmut Kraus (Erzbischöfliches Dekanat Inntal, Kirchenstr. 26, 83098 Brannenburg)

Dekan Josef Reindl (Erzbischöfliches Dekanat Wasserburg am Inn, Rosenweg 1, 83123

Amerang)

Für den Caritasverband in Stadt und Landkreis Rosenheim Erwin Lehmann(Kreisgeschäftsführer, Reichenbachstr. 5, 83022 Rosenheim)

Quelle: wasserburg24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion

Live: Top-Artikel unserer Leser