Digitales Gründerzentrum soll gebaut werden

"Silicon Valley" am Rosenheimer Bahnhof

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Rosenheim - Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer war am Dienstag ihre Begeisterung für das Projekt anzumerken. Nüchterner betrachteten dagegen die Grünen die Idee vom digitalen Gründerzentrum.

Es war CSU-Fraktionschef Herbert Borrmann, der in einem Nebensatz den legendären IT-Standort bei San Francisco erwähnte. Tatsächlich will Rosenheim mit dem geplanten digitalen Gründerzentrum aber vor allem Startups fördern und binden - und sich so gegen München behaupten.

Mit großer Mehrheit machten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschuss und des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus am Dienstagabend den Weg frei: Rosenheim will sich um ein solches Gründerzentrum bewerben. Entstehen soll das Gebäude namens "Stellwerk 18" auf dem Bahnhofsareal Nord - gebaut von der GRWS.

Die Staatsregierung möchte mindestens jeweils ein solches Gründerzentrum in jedem bayerischen Regierungsbezirk fördern. Ingolstadt wird für Oberbayern auch ins Rennen gehen - doch die Rosenheimer Stadtführung sieht sich gut gewappnet für den Wettbewerb mit dem Konkurrenten.

Hochschul-Absolventen in Rosenheim halten

Die Vorteile eines solchen digitalen Gründerzentrum fassten Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl und der Leiter der IHK Rosenheim, Wolfgang Jansen, vor den Stadträten zusammen:

  • Ein Potenzial sei da: Die Rosenheimer IHK führe jährlich bis zu 60 Gründerberatungen im IT-Bereich durch.
  • Man könne Absolventen der Rosenheimer Hochschule vor Ort halten, die sonst nach München oder Berlin abwandern würden.
  • Die vielen mittelständischen Familienunternehmen in der Region werden massiv mit dem Thema Digitalisierung konfrontiert werden, wenn sie am Markt weiter bestehen wollen.

Perfekte Rahmenbedingungen für IT-Gründer

Als Blaupause soll hierfür das erfolgreiche Münchner IT-Gründerzentrum "Werk 1" dienen.

Dort herrsche eine "ganz eigene Atmosphäre", schwärmte OB Bauer. Geprägt sei das Werk 1 von einem kommunikativen Umfeld zur gegenseitigen kreativen Befruchtung und von einer direkten Vernetzung mit Gleichgesinnten.

Diese Vorteile soll das Gründerzentrum für IT-Startups bringen:

  • Zwar gibt es rund 11.000 Quadratmeter freie Büroflächen in Rosenheim - doch diese sind zum Teil unattraktiv für Gründer.
  • Man wolle den Startups auf zwei Stockwerken kleine Büroräume nach einem flexiblen Rastermodell bieten.
  • Ein Anschluss ans schnelle Datennetz sei gegeben. 
  • Gemeinsame Kommunikationsecken und Besprechungsräume sollen Möglichkeiten zum Austausch bieten.
  • Die Kaltmiete wird in den ersten fünf Jahren beim günstigen Festpreis von 12 Euro pro Quadratmieter liegen.

Joker im Rennen gegen Ingolstadt

Im Wettbewerb mit Ingolstadt um die Fördermittel des Freistaats in Höhe von 3-5 Millionen Euro, werde die Stadt die "Joker-Karte" komro ausspielen, versprach Wirtschaftsdezernent Bugl auf Nachfragen aus der CSU-Fraktion. Der Highspeed-Anbieter der Stadtwerke sei ein "Standortvorteil in den Bewerbungsunterlagen, den es sonst nirgendwo in Bayern gibt", so Bugl.

Auch die bestehenden Strukturen von ROSIK, der Branchenplattform für IT-Unternehmen in der Region Rosenheim, sollen gegen Ingolstadt ins Rennen gebracht werden.

Dort sei Audi der Antreiber der Bewerbung - Rosenheim dagegen habe einen branchenübergreifenden Fokus auf den Mittelstand, was sich von anderen Gründerzentren hervorherbe, meinte Wolfgang Jansen.

Kritik von Seiten der Grünen

In der Aussprache war es vor allem Stadtrat Franz Lukas (Bündnis90/Die Grünen), der kritisch nachfragte und am Ende auch als einziges Ausschussmitglied gegen die Bewerbung stimmte.

"Die IT-Branche ist sehr schnelllebig", merkte er an. Der Fraktionschef der Grünen hält es für möglich, dass es letztlich nur einen "Mitnahmeeffekt von Fördermitteln" geben werde. Viele der Startups, die mit Steuermitteln gefördert werden, würden bald darauf sowieso aufgekauft.

Lukas kann nicht verstehen, warum Stadt und Landkreis ein solches Bürogebäude für jeweils bis zu 1,125 Millionen Euro Eigenanteil finanzieren wollen: "Warum machen wir das dann nicht auch für andere Branchen?"

Außerdem merkte er an, dass man solche Gebäude auch gewinnorientiert bauen kann: "Im Aicherpark wird auch ein Bürokomplex gebaut. Da zahlt der Investor doch auch nicht drauf?" 

Bugl sieht einen klaren Bedarf

Dezernent Bugl versicherte, dass man den Markt genau sondiert habe und einen Bedarf für ein solches Gründerzentrum sehe. "Ich glaube schon, dass es der Region und der heimischen Wirtschaft gut tut, so ein Angebot zu haben", so Bugl.

Außerdem sei die IT-Branche ein Jobmotor: Seit dem Jahr 2000 seien durch Gründungen aus der Hochschule Rosenheim im IT-Bereich rund 1000 neue Arbeitsplätze entstanden. Die zwei größten Firmen wanderten aber ab - in Richtung München...

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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