Umstellen statt verzichten

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Gemüsekorb für gesunde Ernährung: Mit fettarmer und ballaststoffreicher, pflanzlicher Nahrung ist eine negative Kalorienbilanz ohne Hunger anzustreben.

Rosenheim - Rauchen aufhören, weniger trinken, abnehmen: Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt und die an Silvester gefassten guten Vorsätze nicht selten bereits Geschichte.

Faschingskrapfen haben aber noch keine Saison, und darum ist es nach den Feiertagen noch nicht unbedingt zu spät, sich Tipps für eine langfristig sportliche Figur einzuholen. Schließlich soll das bisherige Hungern nicht umsonst gewesen sein.

Der Wagemut kann bei manchem zu folgenschweren Erkenntnissen führen. Neben Herzensangelegenheiten oder dem Stolz ist auch die Gesundheit oft Motivation beim Streben nach der badeseetauglichen Figur. Pfundskerlen und üppig proportionierten Frauen attestiert Dr. Bernhard Kofler, Bezirksvorsitzender des bayerischen Hausärzteverbandes, wegen des erhöhten Gewichtes auch ein erhöhtes Krankheitsrisiko: "Oft entstehen daraus Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen oder Diabetes." Auch der Bewegungsapparat mit Knien und Bandscheiben sei häufig mit viel Gewicht schneller überlastet: "Das ist, als würde man permanent eine zusätzliche Reisetasche mitschleppen." Akute Gefahren gibt es laut Kofler keine, Übergewicht entwickele sich ja auch eher langsam.

Um dem entgegen zu steuern, lautet das Ziel oft: Bauch weg. Doch wie ist dieses hochgesteckte Ziel für adipöse Personen langfristig zu meistern? Prinzipiell müsse laut Hausarzt die Aufnahme der Nahrungsenergie geringer sein als der Energieverbrauch.

Das Wort Diät kommt aus dem Griechischen und wird nicht mit "Verzicht" übersetzt, sondern mit "Lebensweise". Kalorienaufnahme reduzieren und Kalorienverbrauch steigern ist angesagt. Durch Begrenzung der Fettzufuhr und einem gesteigerten Verzehr von pflanzlichen, ballaststoffreichen Lebensmitteln wird in Kombination mit Sport eine negative Kalorienbilanz angestrebt. Für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl bietet sich in den unzähligen Diäten der Verzehr von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten an. Zudem sollten Abnahmewillige, um ihr Neujahrsvorhaben erfolgreich in Angriff zu nehmen, versteckte Fette erkennen und vermeiden, mehr pflanzliche Lebensmittel essen und auf die Auswahl der richtigen Eiweiß-Lieferanten achten.

Bewusste Ernährung besser als "Fatburner"

Ein in diesem Zusammenhang oft genanntes Stichwort sind sogenannte "Fatburner". "Darunter versteht man Nahrungsergänzungsmittel, die den Stoffwechselkreislauf ankurbeln, um mehr Energie zu verbrennen", erklärt Luise Jerger, Apothekerin in der "City-Plus"-Apotheke. Diese seien aber, ebenso wie Arzneimittel, welche die Fettaufnahme im Körper unterbinden, nur mit einer Ernährungsumstellung zusammen sinnvoll. "Sie unterstützen, aber ersetzen nicht die bewusste Ernährung", fasst Jerger zusammen.

Ähnlich wie beim Rauchenaufhören müsse es da im Kopf "Klick" machen. Risiken gebe es bei Nahrungsergänzungsmittel keine, die müssten ansonsten als Arzneien abgegeben und stärker kontrolliert werden. Bei im Internet bestellten Präparaten appelliert die Apothekerin aber, auf die Zulassung zu achten. "Zumindest ein deutscher Beipackzettel sollte dabei sein, sonst ist dieses Mittel mit Vorsicht zu genießen", warnt sie. Es gebe teilweise Zutaten in den Diät-Produkten, die dem Kopf weniger Nahrungsbedarf vorgaukeln. Das müsse laut Jerger kritisch betrachtet werden.

Alternativ empfiehlt die Fachfrau Eiweiß-Getränke, die satt machen und mit denen Mahlzeiten ersetzt werden können. "Aber auch diese funktionieren nur mit einer Ernährungsumstellung. Sonst ist das erreichte Mindergewicht nicht zu halten."

Den Jojo-Effekt zu vermeiden, ist für viele, die nach vielen vorangegangenen Versuchen den Neujahrsvorsatz Abnehmen erneut gefasst haben, vorrangiges Ziel. "Finger weg von Diäten und Konzepten mit starker Einschränkungen", sagt deshalb Michael Rauscher, Geschäftsführer des Rosenheimer Fitness-Studios "Robinson Wellfit" und der "Wellergy-Studios" in Raubling und Großkarolinenfeld.

Abnehmen mit Spaß statt unter Zwang

Mit jedem Versuch, durch weniger Essen abzunehmen, verringere der Körper seinen Kalorienverbrauch für Monate. Abnehmen soll man laut Rauscher mit Spaß: "Wer sich zu den Sportübungen schon zwingen muss, hat schlechte Chancen, den Abnehmerfolg auf Dauer zu halten." Alleine Gewicht zu verlieren, vor allem dann, wenn alle um einen herum das Gegenteil davon zu machen scheinen, demotiviere.

Gruppendruck erhöht Motivation

Wer Sportverhalten und Ernährung in der Gruppe umstellt, profitiere laut dem Fachmann von gegenseitiger Motivation, mehr Verbindlichkeit und erreiche damit ein deutlich besseres Ergebnis. "Suchen Sie sich also jemanden, mit dem Sie Ihr Ziel teilen", empfiehlt Rauscher.

Viel bringt auch beim Sport nicht unbedingt viel. Wer danach ausgehungert ist, kompensiere das früher oder später durch mehr Nahrungsaufnahme oder kämpfe gegen seinen Körper. "Beides keine Erfolgsfaktoren", versichert der Chef der drei Fitness-Studios. Fitnesstraining sei dabei dem Ausdauertraining vorzuziehen: "So aktiviert man alle Muskeln des Körpers und nimmt deutlich schneller ab."

Wichtig sei es, kein Muskelaufbau-Training, sondern ein Fettverbrennungs-Training durchzuführen, denn: "Muskeln wiegen mehr als Fett." Um ein paar Kilogramm abzunehmen, brauche man nicht unbedingt einen Trainer. "Wer seine erreichte Gewichtsreduktion auf Dauer stabilisieren möchte, erhöht ohne Verzicht und Verbote seine Chancen auf einen Erfolg um mehr als das Dreifache", versichert Rauscher.

cl/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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