Zertifizierungsfeier im Rathaus am Freitag

Es ist offiziell: Rosenheim ist Fairtrade-Stadt

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Rosenheim - Jetzt ist es offiziell: Rosenheim ist Fairtrade-Stadt. 433 Fairtrade-Städte gibt es bereits weltweit, allein 70 in Bayern. Was bedeutet der Status für uns Bürger der Stadt und des Landkreises?

Am Freitag um 14 Uhr begann die Zertifizierungsfeier Fairtrade-Stadt im Rosenheimer Rathaus. Moderator Nico Foltin führte durch das Programm. Zum Einstieg stimmt die siebte Klasse der Mädchenrealschule Rosenheim unter der Leitung von Friedrich Stimmer ein guineisches Trommellied an. Als dann alle Gäste Platz genommen haben, begrüßt Foltin, Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, die an diesem Tag zu beschäftigt war, um Kaffee zu trinken. "Ich habe dafür aber schon fair geschöpfte Schokolade gegessen", räumte sie ein.

So manches dauere in Rosenheim nun mal länger, so Bauer, es müsse schließlich erst über den Irschenberg. Alle zwei Jahre müsse sich die Stadt nun beweisen, um den Fairtrade-Status zu halten. Die Vorgaben seien jedoch von allen Beteiligten erfüllt worden und so hoffe man, dass es auch weiter gehe.

"Der Titel ist für mich ein kleiner Schritt, den jeder gehen kann, um die Welt ein bisschen besser zu machen", bekundet Bauer. Sie fordere alle dazu auf, fair gehandelte Produkte zu kaufe n, da dies nicht nur einem selbst ein gutes Gefühl vermittle, sondern auch eine Inv estition in unser aller Zukunft sei. "Wenn die Produzenten der Fairtrade-Produkte in ärmeren Ländern Geld damit verdienen, ist dies gut für die Wirtschaftlichkeit im eigenen Land und ein Kontrapunkt gegen die 'Geiz ist geil!-Politik." Auch bei alltäglichen Lebensmitteln, wie Eiern und Milch, solle man regional Produkte einkaufen.

Schmid: "Alle sechs Sekunden stirbt ein Kind an Hunger!"

Georg Schmid, Vorsitzender der Steuerungsgruppe "Fairtrade-Stadt Rosenheim", berichtet dass der Antrag um die Bewerbung zur Fairtrade-Stadt im Februar fertiggestellt worden sei und findet es "wunderbar, dass alles so überparteilich geklappt hat." Der Titel sei nur ein Mittel, um das langfristige Ziel der Kampagne zu erreichen - die Situation der benachteiligten Produktionsfamilien in ihren Heimatländern zu verbessern. "Die Situation in den Entwicklungsländern ist immer noch dramatisch! Alle sechs Sekunden stirbt ein Kind an Hunger, 15 Millionen Afrikaner sind auf der Flucht."

Zertifizierungsfeier im Rathaus

Um das zu ändern sei es wichtig, nachhaltig zu produzieren, keine Ausbeutung mehr zuzulassen und die Rückverfolgbarkeit der Produktionsketten zu gewährleisten. Das Angebot an Fairtrade-Produkten in Rosenheim sei groß, interessierte Bürger sollten bei Händlern gezielt danach fragen. Das nächste Ziel sei es, einen Fairtrade-Gastronomieführer für Rosenheim anzufertigen.

Nach einer Gesangseinlage der Waldorfschule Rosenheim unter der Leitung von Stefan Weißleder hat Carina Bischke im Namen des TransFair e. V. das Wort. Seit vielen Jahren sei sie bereits im Weltladen aktiv, eine Organisation, die den Fairen Handel in das Bewusstsein der Bürger pflanzen möchte. Seit 2009 gäbe es die Kampagne "Fairtrade Town" in Deutschland. In 25 Ländern weltweit gäbe es bereits 433 Fairtrade-Städte. R om, Paris, London, San Francisco seien bereits mit im Boot. "Wir wollen stabile Mindestpreise, um schwankenden Weltmarktpreisen entgegenzuwirken.", äußert sie.

Nur 14 Euro gibt jeder Deutsche im Jahr für Fairtrade-Produkte aus

1,65 Millionen Produzenten in 74 Ländern profitierten schon von 16 Millionen Euro Fairtrade-Prämien. Die Produzenten in den Ländern seien dabei gleichberechtigte Entscheider und würden selbst bestimmen, was mit den Geldern passiere. 

378 Millionen Euro Einnahmen seien in Deutschland durch fair gehandelte Produkte erzielt worden. Nur 14 Euro pro Jahr gäbe jedoch der einzelne Bundesbürger für den Fairtrade-Handel aus - ein Viertel von dem , was jeder Schweizer jährlich investiert.

Um die Kriterien für den Titel Fairtrade-Stadt zu erfüllen habe sich Rosenheim besonders ins Zeug gelegt. Fast dreimal so viele Geschäfte wie gefordert haben sich für den Verkauf von Fairtrade-Produkten ausgesprochen, sowie auch 10 Gastronomen. Auch die Steuerungsgruppe sei mit 15 Mitgliedern ungewöhnlich gut bestückt. Damit sei Rosenheim ein Vorbild für andere Städten und Kommunen.

Der reCup - eine nachhaltige Alternative zum Einwegbecher

Im Anschluss an Ihre Ansprache überreicht Bischke die Urkunde zur Fairtrade-Stadt an unsere Oberbürgermeisterin und die Trommelgruppe der Mädchenrealschule entlässt die Gäste lautstark und energiegeladen aus dem Rathaussaal.

Zwei gekonnte Tanzeinlagen am Rathausvorplatz liefern die Mädchentanzgruppe des Karolinengymnasiums unter der Leitung von Silke Ritter und die vierte Klasse der Grundschule Westerndorf St. Peter unter der Leitung von Katharina Magg.

Im Vorhof des Rathauses haben sich zudem einige innovative Faire Händler zum Erlebnismarkt aufgebaut. Es gibt neben verschiedenen Produkten aus der Region und fernen Ländern auch ein kleines Ständchen einiger junger Männer. 

Diese hatten die Idee, den reCup in Rosenheim publik zu machen. Man könne die Becher bald in jedem Kaffeeshop für einen Euro Pfand kaufen und dann überall in der St adt mit dem Becher vergünstigt Kaffee erwerben. Bei einem der reCup-Partner könne man die Becher wieder abgeben und sein Pfand abholen. Definitiv eine nachhaltige Alternative zum Einwegbecher.

amj

Quelle: rosenheim24.de

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