"Mischkonsum von Drogen bei jungen Leuten im Trend"

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Landkreis Rosenheim - Nachdem drei junge Menschen nach einem Drogenrausch ihr Leben ließen, ergeben sich viele Fragen zu den Hintergründen. Eine Sucht-Expertin schätzt die Situation ein.

Zwei Menschen aus Brannenburg, eine Person in Wasserburg: Vor kurzem verloren sie ihr Leben höchstwahrscheinlich durch übermäßigen Drogenkonsum. Viele unterschätzen die große Wirkung von psychoaktiven Substanzen und denken, dass bis auf einen kurzen Trip nichts weiter Schlimmes passieren kann.

Interview mit Monika Schindler

Monika Schindler ist Diplom-Sozialpädagogin der Fachambulanz für Suchterkrankungen im Diakonischen Werk in Rosenheim. In unserem Interview spricht sie über die Gefahren der neuen Drogen und wie man einer möglichen Sucht entgegenwirken kann.

Warum greifen immer häufiger besonders Jugendliche zu Drogen?

Monika Schindler: Aus den gleichen Gründen wie die älteren Leute: Entspannung und Stressabbau. Natürlich auch um länger feiern zu können und weil es viele machen. Da ist es dann halt "cool", wenn man mitmacht.

Vor kurzem sind drei Menschen mit großer Sicherheit an den Folgen eines übermäßigen Konsums gestorben. Welche Menge ist für den Körper so gefährlich, dass sie einem das Leben kosten kann?

Das ist natürlich von Droge zu Droge und von Person zu Person unterschiedlich. Aber besonders bei jungen Leuten liegt der Mischkonsum im Trend, was die Wahrscheinlichkeit für eine ernsthafte Nachwirkung natürlich steigert. Verschiedene Drogen vertragen sich nicht, man kann nicht wissen, wie sie aufeinander reagieren. Das ist lebensbedrohlich!

Welche Drogen sind denn zurzeit besonders beliebt? Warum können sich die Jugendlichen diese scheinbar so leicht beschaffen?

Der Trend geht wohl ganz klar zu den neuen psychoaktiven Substanzen. Diese kann man sehr leicht im Internet bestellen. Und dies leider oftmals sogar legal, da ständig die Formeln der Rezepturen an das Betäubungsmittelgesetz angepasst werden. Dadurch weiß der Konsument im Grunde genommen in den meisten Fällen gar nicht, was er zu sich nimmt - Hauptsache die Drogen erzielen ihre gewünschte Wirkung.

Glauben Sie, dass gerade deshalb die Wirkung von Konsumenten einfach unterschätzt wird oder verpassen sich einige sogar bewusst eine Überdosis?

Ich denke, dass die meisten die Gefahren tatsächlich einfach unterschätzen. Es ist wie beim Komasaufen: Man kennt seine Grenze nicht und das hat fatale Folgen. Ich glaube nur in den wenigsten Fällen wollen sich die Konsumenten tatsächlich das Leben nehmen.

Was kann man denn tun, wenn man für sich selbst merkt, dass man abhängig ist? Oder wenn man jemanden kennt, der abhängig ist und man helfen möchte?

Man kann immer in unsere Beratungsstelle in die Kufsteinerstraße 55 nach Rosenheim kommen. Keiner braucht Angst zu haben, dass es jemand erfährt - wir unterliegen der Schweigepflicht. Das wichtigste ist erst einmal die Einsicht für sich selbst zu haben, dass man ein Problem hat. In einer Therapie, auch in der Gruppe, kann man dann direkt klären, wie man damit umgeht und wie die nächsten Schritte aussehen. Der erste Schritt sollte aber definitiv sein, zu uns zu kommen.

Wie viele Todesfälle hat man denn direkt hier in Rosenheim und Umgebung im Schnitt?

Das ist schwer zu sagen. In Rosenheim selbst haben wir seit langem schon das Problem, dass besonders Fentanyl-Drogen in Form von Fentanyl-Pflastern sich besonderer Beliebtheit erfreuen. Dafür werden gezielt die Abfälle von Kliniken und Altenpflegeheimen nach gebrauchten Fentanyl-Pflastern durchsucht. Die Abhängigen kochen die Pflaster aus, um den Wirkstoff heraus zu lösen und ihn dann intravenös zu injizieren. Dadurch gab es bis jetzt zahlreiche Tote auch aus der Umgebung.

hey

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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