"Die Kritik wird nie verstummen"

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Rosenheim - "Die Kritik wird nie verstummen", sagt der ehemalige Landtagsabgeordnete Adolf Dinglreiter. Das OVB führte mit ihm ein Interview vor dem Spatenstich zur Westtangente.

Von 1986 bis 2003 war Adolf Dinglreiter Mitglied des Bayerischen Landtags. Von 1998 bis 2003 stand Dinglreiter an der Spitze des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr und Technologie.

Am 27. August erfolgt der offizielle Spatenstich für die Rosenheimer Westtangente. Sie haben als Landtagsabgeordneter bereits zu Beginn des Jahres 1991 den Anstoß zur Prüfung der Realisierbarkeit einer stadtnahen Westumfahrung von Rosenheim mit Autobahnanschluss gegeben. Überwiegt bei Ihnen jetzt die Freude ob des bevorstehenden Baubeginns, oder sind Sie eher betrübt, dass zwischen dem ersten Spatenstich und Ihrer Initiative mittlerweile mehr als 20 Jahre ins Land gezogen sind?

Natürlich freue ich mich über den längst überfälligen Baubeginn. Aber im Interesse der vom Durchgangsverkehr in Rosenheim, Westerndorf St. Peter und Schechen stark belasteten Menschen bedauere ich sehr, dass ein solches Projekt 20 Jahre braucht, bis es realisiert werden kann.

Alles zur Westtangente

Die Finanzierung des Projekts war noch bis vor wenigen Monaten der Knackpunkt, der einem Baubeginn in diesem Jahr entgegenstand. Hätten Sie angesichts des bundesweiten Investitionsstaus im Bereich Straßenbau Verständnis aufgebracht, wenn der Haushaltsausschuss des Bundestags dieses Projekt noch einmal zurückgestellt hätte?

Dafür hätte ich kein Verständnis gehabt, weil Ortsumfahrungen im Bundesstraßenbau oberste Priorität haben. Übrigens, die Finanzierung war im Rahmen eines Konjunkturprogramms schon zwei Jahre vorher gesichert. Wegen entbehrlicher Klagen wurde der Baubeginn jedoch weiter verzögert.

Die Parlamentarier aus der Region gehen davon aus, dass mit Beginn der Baumaßnahme auch deren Vollendung gesichert ist. Sehen Sie die Gefahr, dass die Westumgehung wegen finanzieller Engpässe im Bundeshaushalt nicht unterbrechungsfrei gebaut werden kann?

Ich bin sicher, wenn der Bau jetzt begonnen wird, werden in den nächsten Haushalten auch die Mittel für eine zügige Weiterführung bereitgestellt.

Auch wenn die Gerichte Baurecht geschaffen haben, die Kritik an der Baumaßnahme ist in der Region noch nicht gänzlich verstummt. Was halten Sie denen entgegen, die die Entlastungswirkung der Westtangente als eher gering einstufen oder in dem Brückenbauwerk, das den Aicherpark überspannen soll, eine gigantische Landschaftsverschandelung sehen?

Die Kritik wird nie verstummen, weil bestimmten Gruppen die angebliche Bedrohung einiger Fledermäuse oder die befürchtete Verschattung von 100 Quadratmetern Wiesenfläche wichtiger ist als der Schutz von tausenden Menschen vor dem Schwerlastverkehr. Der Nord-Süd-Verkehr auf der B15 hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen, weil die A9, die A99 und die A8 immer häufiger Staus aufweisen. Ein modernes Brückenbauwerk wird den Aicherpark nicht verschandeln, sondern dort für Wirtschaft und Besucher eine schnelle Anbindung an den überregionalen Verkehr schaffen.

Sie waren Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr und Technologie im Bayerischen Landtag. Wenn Sie einen Blick auf den Landkreis Rosenheim werfen: Welche sind aus Ihrer Sicht die drei dringendsten Straßenbaumaßnahmen mit überörtlicher Bedeutung, die jetzt anstehen?

Neben der Westtangente der B15 muss die B15 alt bis zur A94 verkehrs- und umweltgerecht ausgebaut werden, um so den wachsenden Nord-Süd-Verkehr auf dieser Achse zu verbessern. Von großer Bedeutung ist auch der notwendige Ausbau der überlasteten Vorkriegs-Autobahn A8 von Rosenheim bis Salzburg.

Interview: Norbert Kotter

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © OVB

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