"Das Schlimmste, das ich je genommen habe!"

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Rosenheim - Erst vor Kurzem fanden drei Menschen aus der Region offenbar durch Drogenkonsum den Tod. User "Andi" hat eigene Erfahrung und warnt ausdrücklich vor den Legal Highs:

Mitte März ereigneten sich in Brannenburg und Wasserburg insgesamt drei Todesfälle - höchstwahrscheinlich wegen übermäßigen Drogenkonsum. In letzter Zeit häufen sich zudem die Meldungen um die sogenannten "Legal Highs", deren Wirkung so unabsehbar ist, dass selbst eine kleine Menge schon zum Tod führen kann. Drogenexpertin Monika Schindler, von der Fachambulanz für Suchterkrankungen im Diakonischen Werk in Rosenheim, berichtete uns in einem Interview, dass diese psychoaktiven Substanzen besonders leicht zu beschaffen seien. In den meisten Fällen wäre die Wirkung, aufgrund der stetig veränderten Rezeptur, nicht auszumachen und deshalb besonders gefährlich.

Diese Erfahrung hat auch unser User "Andi" (Name von der Redaktion geändert) gemacht. Mehrere Schicksalsschläge brachten den 31-Jährigen auf die schiefe Bahn - langjährige Drogenexzesse und Therapieaufenthalte waren die Folge. Als er jedoch auf die Legal Highs und deren fatale Wirkung traf, änderte sich seine Lebenseinstellung schlagartig. In einem Interview berichtet er uns von seinen Erfahrungen und hat eine klare Botschaft für alle Jugendlichen, die den Drang verspüren die Legal Highs "probieren" zu wollen:

rosenheim24.de: Andi, Du hast uns geschrieben, dass deine Drogensucht vor ungefähr neun Jahren begonnen hat. Wie kam es dazu? Was hast Du genommen?

Andi: Ich komme aus einem sehr schwierigen Viertel aus einer Gemeinde im Landkreis Rosenheim - hier war immer was los, ständig war die Polizei da. Abgesehen davon habe ich einige Schicksalsschläge erfahren - damit kam ich einfach nicht klar. Freunde haben mir dann geraten mich mal abzulenken. Und so kam eins zum anderen. LSD, Koks - man ist da nicht reingerutscht weil man es unbedingt wollte. In meinen jungen Jahren war es nur sehr schwer, anders damit klarzukommen.

Danach warst Du einige Jahre in Therapie. Wie kamst Du dann zu den Legal Highs?

Ja eine Zeit lang war ich in Behandlung. Da war alles ok. Besonders das Reden mit den Therapeuten hat mir gut getan. Meine Freundin, die noch heute mit mir zusammen ist, stand mir immer zur Seite. Doch dann wurde alles wieder schlimmer: Nach der Trennung meiner Eltern und einem Unfall fiel es mir schwer wieder auf die Beine zu kommen.

Und dann kam ein Nachbar zu mir der merkte, dass es mir schlecht ging. Er hatte Legal Highs zur Ablenkung dabei. Ich war von den Drogen weg, hatte sogar nur ungefähr ein Bier im Jahr getrunken. Doch alles war wieder so schwer und deshalb habe ich es probiert...

Und diese Legal Highs sind anders als beispielsweise Deine Erfahrungen mit LSD oder Koks?

Völlig anders! So schlecht ging es mir noch nie! Ich konnte nach der Einnahme tagelang nicht schlafen, hatte Panikattacken und trotz minimaler Menge, war das Verlangen danach riesengroß. Einmal hat es mich so kaputt gemacht, dass ich meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hatte und mein Darm und meine Blase sich gleichzeitig entleert hatten. Ich lag dann in meinen eigenen Exkrementen und konnte nichts dagegen tun. Dieses Erlebnis hat mich geprägt - ich wollte sofort aufhören. Und ich habe seitdem auch keine Drogen mehr genommen obwohl ich nur Stunden nach dem Vorfall wieder unglaubliches Verlangen danach hatte. So etwas habe ich bei keiner anderen Droge erlebt!

Du meinst also Legal Highs sind anders? Gefährlicher als andere Drogen?

Im Grunde genommen sind alle Drogen gefährlich. Aber dieses Zeug ist das Schlimmste. Als ich euren Artikel über die Drogenopfer gelesen habe, da wusste ich, dass es ganz bestimmt etwas mit Legal Highs zutun hat. Es ist so leicht zu beschaffen und nicht teuer. Wenn du beim richtigen Online-Händler bestellst, steht nach einem Tag der Postbote mit deinem Drogenpäckchen vor der Tür. Da machen sich viele Jugendliche auch nicht weiter den Kopf darüber was drin ist. Hauptsache es erzielt die gewünschte Wirkung und man macht sich keine großen Umstände bei der Beschaffung. Das Schlimme ist, dass man online lediglich einen Button drücken muss um zu bestätigen, dass man 18 Jahre alt ist. Einen richtigen Nachweis braucht es also nicht, sodass es selbst Kindern ein Leichtes ist, sich dieses Zeug zu beschaffen.

Wie sieht dein Plan für die Zukunft aus? Was rätst Du jungen Leuten, die ähnliche Schicksalsschläge erleiden mussten und nicht weiter wissen?

Alles soll jetzt anders werden und ich werde dafür kämpfen, dass es auch ohne die Drogen funktioniert. Meine Freundin stärkt mir den Rücken bei allem was ich tue. So habe ich jetzt auch einen Termin beim Arbeitsamt wahrgenommen. Ich werde mich nun nach einer anderen Zukunftsperspektive umsehen. Es wird ein hartes Stück Arbeit ohne abgeschlossene Lehre in meinem Alter. Aber ich weiß, dass ich es schaffen kann.

Allen anderen kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen, dass sie einen großen Bogen um die Legal Highs machen sollen. Viele beschreiben es als "harmloses Tütchen" aber das ist es nicht. Ihr fallt in ein Loch und macht eure sowieso schon miese Lage nur noch schlimmer. Es gibt immer einen Weg - Drogen nehmen ist aber definitiv der falsche.

hey

Quelle: rosenheim24.de

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