Rettungsversuch für Heim schockt Experten

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Dieses Heim in Inzell muss geschlossen werden.

Inzell - Der Rettungsversuch für das von der Schließung bedrohte Seniorenheim in Inzell entsetzt Pfegeexperten. Dort sei gegen sämtliche pflegeethischen Grundsätze verstoßen worden.

Der Rettungsversuch geht von Angehörigen von Bewohnern aus. Diese wollen jetzt gegen die Schließung, die für den 22. August angeordnet ist, Klage einreichen.

Trotz behördlich festgestellter Mängel will eine Gruppe um Eckart Klenner aus Unterwössen gegen die Schließung des Heimes, das zur „H & R Senioren Heimbetriebsgesellschaft mbH“ gehört, kämpfen – oder zumindest die Frist verlängern. Klenners 88-jährige Mutter lebt seit 2008 in dem Seniorenheim. Seiner Auskunft nach fühlt sie sich dort „pudelwohl“, sagt er auf merkur-online.de.

Das Inzeller Seniorenheim:

Inzeller Seniorenheim in der Kritik

In jeder Einrichtung dieser Art käme es zu pflegerischen Mängeln. Die vierwöchige Frist, in der für die Senioren ein neuer Betreuungsplatz gefunden werden müsse, sei viel zu knapp und „eine Frechheit“. Zudem seien andere Heime in der Region deutlich teurer: In Inzell müsse er jetzt 1024 Euro in Eigenleistung erbringen, anderswo bis zu 1900 Euro. Weil das Heim günstiger sei als andere, sei es manchen ein Dorn im Auge. Klenner spricht für die Angehörigen von 31 Heimbewohnern. Zwei pensionierte Volljuristen aus ihren Reihen werden rechtlich gegen die Schließung vorgehen.

Laut Landratsamt sind bereits 24 von ehemals 74 Heimbewohnern umgezogen. Die Rückmeldung von deren Angehörigen seien positiv und erleichtert.

Der Münchner Pflege-Experte Claus Fussek

Dass Angehörige gegen die Schließung protestieren, stößt beim MDK auf Kritik. „Ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass man seine Angehörigen lieber schlecht versorgt lässt, bevor man Sozialhilfe in Anspruch nimmt“, sagte Dr. Ottilie Randzio, die beim MDK Bayern für den Bereich Pflege verantwortlich ist. Sollten sich die Angehörigen den Aufpreis, den sie bezahlen müssen, nicht leisten können, gebe es die Möglichkeit, Antrag bei der Sozialhilfe zu stellen. Der Münchner Pflegekritiker Claus Fussek zeigte sich „fassungslos“:„So etwas habe ich noch nie gesehen.“ In dem Heim sei gegen sämtliche pflegeethischen Grundsätze verstoßen worden. Nachdem „H & R“ zuvor eine Einspruchsfrist hatte verstreichen lassen, reichte die Gesellschaft am Dienstag, 9. August 2011, einen Eilantrag beim Bayerischen Verwaltungsgericht ein, um die Schließung abzuwenden. Laut Bettina Clos, Pressesprecherin des Gerichts, soll möglichst noch vor dem Schließungstermin über den Antrag entschieden werden. „H&R“ mit Sitz in Berlin war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Heimleitung in Inzell gab keine Auskunft.

Carina Lechner/Münchner Merkur

Quelle: rosenheim24.de

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