Mordfall Schindlbeck: Heute beginnt der Prozess

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Heiko K. bei der Arbeit in einer Gaststätte in Nymphenburg. Der Koch hat den grausamen Mord gestanden.

München - Vor dem Schwurgericht beginnt am Montag ein spektakulärer Prozess. Koch Heiko K. hatte im Januar seinen Kollegen Markus Schindlbeck aus Habgier umgebracht und in der Badewanne zerstückelt.

Auch der ausgebuffteste Krimi-Autor hätte den Mord und dessen Aufklärung nicht spektakulärer gestalten können: Am 30. Januar entdeckte ein Spaziergänger in der Isar bei Geretsried (Kreis Wolfratshausen-Bad Tölz) zwei Arme. Die Fingerkuppen waren abgetrennt, doch der zunächst unbekannte Täter wusste offenbar nicht, dass ein Mensch auch durch seine Handballenabdrücke zu identifizieren ist.

Die Ermittler hatten Glück: Der Computer warf die Daten des 35-jährigen Münchners Markus Schindlbeck aus – gegen ihn wurde einmal wegen eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt.

Der Torso des Ermordeten war schon drei Tage zuvor in Tschechien gefunden worden, in einem Waldstück unweit des Grenzübergangs Furth im Wald. Die dortige Polizei stand zunächst vor einem Rätsel, ehe die Funde zusammengeführt werden konnten.

Auch in Schindlbecks Wohnung an der Lenggrieser Straße in Sendling gab es Spuren. Der Täter hatte nach der Tat am 23. Januar zwar umsichtig die Spuren des Verbrechens beseitigt – Blutspuren des Toten konnten aber mit der Chemikalie Luminol sichtbar gemacht werden.

Markus Schindlbeck musste sterben, weil er dem Täter kein Geld gab.

Mörder Heiko K., der morgen 40 Jahre alt wird, war da schon auf der Flucht. Von seinem Opfer hatte er das Mobiltelefon, Laptop und Computeranlage sowie Geldbörse, Papiere und Kreditkarten mitgenommen. So raffiniert K. bei der Vertuschung seines Verbrechens vorging – er sagte am 24. Januar von Schindlbecks Handy aus per SMS eine geplante Reise seines Opfers nach Barcelona „krankheitshalber“ ab – so leichtsinnig verhielt er sich auf der Flucht durch halb Europa. Er fuhr Schindlbecks Dienstwagen, einen Opel Vectra, und zahlte beim Tanken mit einer Kreditkarte des Toten. Dabei wurde er einmal am Irschenberg von einer Überwachungskamera aufgenommen. Dieser Spur folgten die Zielfahnder.

Am 3. Februar ging Heiko K. ins ausgespannte Netz der Fahnder. Der zur Fahndung ausgeschriebene Kombi mit Hannoveraner Kennzeichen fiel 70 Kilometer hinter Wien an der Grenze nach Ungarn auf. Der Fahrer wollte sich mit dem Ausweis des Ermordeten durchschwindeln, nicht ahnend, dass sein Verbrechen längst entdeckt war. Er gab dann Fersengeld, wurde aber etwa 100 Meter vor der Grenze festgehalten.

Heiko K. gestand die Tat noch in Österreich. Nach seinen Angaben hatte er die Beine des Toten in der Nähe des Torsos abgelegt und den Kopf bei Neuötting im Inn versenkt. Tagelang suchten Taucher danach, jedoch vergeblich.

Der Koch war als Wirt in Neufahrn und Neuötting gescheitert. Auch sein jüngstes Lokal in Oberösterreich soll schlecht gelaufen sein, Heiko K. hatte hohe Schulden und bettelte Freunde an – um sich mit deren Darlehen nach Mexiko abzusetzen.

Im dritten Stock dieses Hauses in Sendling wohnte das Opfer.

Mit Schindlbeck hatte er bis zwei Jahre vor dessen Tod in der Schlosswirtschaft „Zur Schwaige“ zusammengearbeitet. Nun erinnerte sich K. an den alten Freund, der zuletzt als Handelsvertreter tätig war und zwei Eigentumswohnungen besaß. Er suchte Schindlbeck in dessen Sendlinger Wohnung auf, bat um Geld. Es kam zu einem Streit, in dessen Verlauf K. seinen Ex-Kollegen umbrachte. Die Anklage geht davon aus, dass der Hüne (1,94 Meter, 106 Kilo) sein fast ebenso kräftiges Opfer von hinten angriff. WieSchindlbeck genau starb, hat K. offenbar noch nicht erklärt, die Anklage spricht von einem „gewaltsamen Einwirken“ vermutlich auf den Kopf.

Nach der Tat kaufte Heiko K. mit einer Kreditkarte des Opfers in zwei Baumärkten Bolzenschneider, Säge und Messer zur Zerstückelung der Leiche, packte die Teile in den Kofferraum und machte sich auf seine Odyssee durch Europa. Zeugen schilderten den Angeklagten später als Aufschneider, der mit seiner Lebensgefährtin schon mal 400 Euro in einer Nacht auf den Kopf haute. Gegen Heiko K. wird voraussichtlich an fünf Tagen verhandelt.

Sarah List (tz)

Quelle: rosenheim24.de

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