Empörung in Wasserburg wegen Plakat mit dunkelhäutigem Mann in Lederhose

Rassismus oder bayerischer Humor?

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Bei diesem Plakat gehen die Meinungen auseinander. Während der Vorwurf eines rassistischen Hintergrund im Raum steht, weisen Brauerei und Sportverein diesen Vorwurf weit von sich.

Eiselfing/Wasserburg - Wann hört Humor auf, wann beginnt die Grenze zum Rassismus? Ein Plakat mit einem dunkelhäutigen Mann in Lederhose und dem Spruch "A Preiß ko ni a Bayer werdn, a Neger aber scho" sorgt derzeit für unterschiedliche Reaktionen.

"Ich bin zutiefst entsetzt", zeigt sich der erste Vorsitzende des TSV Wasserburg, Dr. Martin Niehues empört. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten des TSV Eiselfing hat er im Festzelt ein Plakat des Hofbräuhauses Traunstein gesehen, das er mit Rassismus in Verbindung bringt. Der dunkelhäutige Mann in Lederhose grinst dabei verschmitzt, der Spruch "A Preiß ko ni a Bayer werdn, a Neger aber scho" - steht unter dem Bild. 

"Wie kann man sich tatsächlich trauen, so etwas aufzuhängen! Ich meine beileibe nicht diese langweiligen, dümmlichen Preußensprüche, sondern diesen zu vermutenden Rassismus, der durch dieses Plakat impliziert wird! Da ist nichts aber auch gar nichts lustig dran! Was sollen zum Beispiel die dunkelhäutigen Mitbürger denken, die in Eiselfing jeden Morgen als Schülerlotsen die Kinder sicher in die Grundschule leiten, wenn sie so ein Plakat sehen?", so Dr. Martin Niehues weiter.

Weltweite Erinnerung

Über die letzten 16 Jahre habe er das Glück gehabt, viele Gedenkstätten besuchen zu können, an denen der  - (vermeintlich) - überwundenen Rassendiskriminierung durch Denkmäler und Museen und der damit verbundenen bedeutenden Persönlichkeiten und Freiheitskämpfer gedacht werde, erklärt der erste Vorsitzende des TSV Wasserburg weiter.

"Ich habe das Grab und die Wirkungsstätten von Martin Luther King, Jr. in Atlanta besucht, habe seine Nobelpreisurkunde bewundern dürfen, stand an genau der Stelle in Washington am Lincoln Memorial, an der er seine berühmte Rede "I have a dream" vor 250 Tausend Menschen gehalten hat und ich habe mir seine gesamten Reden auf CDs angehört", erläutert Dr. Niehues. Er habe in diesen Gedenkstätten Bilder und Videoaufnahmen von diskriminierenden Handlungern gesehen, die einem die Sprache verschlagen!

"Ich habe einige Monate in Atlanta gelebt und ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man dort als einziger Weißer unter schwarzen Menschen Bus fährt in einer Gegend, in der Rassismus tief verankert, ich sag einmal vorsichtig, war! Aber am meisten bewegt hat mich, als ich in Memphis vor dem Balkon des Motels stand, auf dem Martin Luther King erschossen worden ist. Mir lief es eiskalt den Rücken runter und mir liefen spontan die Tränen die Wangen runter und ich habe auch jetzt Tränen in den Augen, wenn ich nur daran denke!", führt Niehues vom TSV Wasserburg weiter aus.

Verwunderung groß

Beim Anblick des Plakats im Festzelt des TSV Eiselfing anlässlich des Jubiläums sei er zutiefst entsetzt gewesen.  

"Ich kann nur hoffen, dass der TSV Eiselfing davon Abstand nimmt und sich zumindest öffentlich dafür entschuldigt! Ich jedenfalls würde mich abgrundtief dafür schämen", schreibt der erste Vorsitzende des TSV Wasserburg, Dr. Martin Niehues.

TSV Eiselfing traurig über Vorwürfe

"Der TSV lässt sich nicht in die Rassismus-Ecke stellen", betont der erste Vorsitzende des TSV Eiselfing, Alex Lax. Es handle sich bei dem Motiv um eine Werbung des Hofbräuhauses Traunstein, führt Lax weiter aus. "Wäre für uns irgendeine rassistische Tendenz an der Werbung erkennbar gewesen, hätten wir den Banner wieder abgehängt", versichert der Vorstand des Eiselfinger Sportvereins.

Der TSV Eiselfing habe die Asylbewerber aus der Gemeinde von Beginn an in die Aktivitäten des Vereins aufgenommen. Sie seien explizit über den Asylhelferkreis zum Jubiläumsfest eingeladen gewesen und hätten auch daran teilgenommen, heißt es von Alex Lax weiter. "Vorwürfe in diese Richtung sind vollkommen haltlos".

Brauerei überrascht von Meinung zu Plakat

Bei diesem Plakat gehen die Meinungen auseinander. Während der Vorwurf eines rassistischen Hintergrund im Raum steht, weisen Brauerei und Sportverein diesen Vorwurf weit von sich.

Was sagt der "Besitzer und Entwickler" des Plakats mit dem dunkelhäutigen Mann in Lederhose und dem Spruch zu den Vorwürfen - das Hofbräuhaus Traunstein? "Wir wertschätzen das Engagement des Herrn Dr. Martin Niehues. Jedoch weisen wir „interpretierende Gedanken und Einschätzungen“ zu Rassismus oder Diskriminierung weit von uns, haben wir doch als über 400 Jahre alte Familien-Brauerei bereits 30% unseres Umsatzes auch im fernen Ausland", betont der Geschäftsführer Josef Schumacher auf Nachfrage von wasserburg24.de

Schützenswert sei jedoch auch das weltweit so wichtige unantastbare Gut der künstlerischen Freiheit und künstlerischer Darstellung - hierbei besonders in Werbung und Marketing mit dem oft „hintergründigen Augenzwinkern des bayerischen Humors“, so Schumacher weiter.

TSV Wasserburg war bei Jubiläum des TSV Eiselfing Patenverein

Bekommt das mit Herzblut organisierte Jubiläum des TSV Eiselfing wegen dem Aufhängen des Brauerei-Plakats nun einen "faden Beigeschmack"?

"Ich und der Vorstand des TSV Eiselfing schließen sich der Meinung des Hofbräuhauses Traunstein an", bekräftigt Alex Lax. Von Vorwürfen eines rassistischen Hintergrunds möchte er nichts wissen.

"Wovon ich besonders enttäuscht bin, ist der Weg der Kritik, den Herr Dr. Niehues gewählt hatte. Ich denke, ein persönlichen Gespräch an diesem Festsonntag oder im Nachgang wäre passender gewesen. Insbesondere aus der Hinsicht, dass Herr Dr. Niehues mein Amtskollege unseres Patenvereins TSV Wasserburg ist. Das Verhältnis zu unserem Nachbarverein wird durch diese Vorwürfe nicht nur darunter leiden, sondern zutiefst erschüttert", zeigt sich Lax verwundert und traurig.

Dr. Niehues fordert respektvollen Umgang mit Menschen

Dass in Eiselfing Integrationsarbeit geleistet werde, weiß Dr. Martin Niehues vom TSV Wasserburg. Gerade deshalb finde er das Plakat besonders unpassend.

"Auch wenn es sich hier um einen Hinweis auf ein Getränk handeln sollte, was nicht ersichtlich ist, ändert es an der Tatsache nichts: Es ist auf jeden Fall herabwürdigend und respektlos, um nicht zu sagen diskriminierend und gehört abgeschafft", betont der erste Vorsitzende des TSV Wasserburg abschließend.

Quelle: wasserburg24.de

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