Sieben Messerstiche

Mordversuch an Schwiegermutter: „Ich hatte enorme Angst“

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Der Angeklagte Joscha G. neben seinem Verteidiger vor Gericht.

Memmingen - Schon lange war das Verhältnis zu seiner Schwiegermutter zerrüttet, als ein junger Vater sie brutal niedergestochen haben soll. Wegen Mordversuchs steht der 29-Jährige erneut vor Gericht.

Wegen versuchten Mordes an seiner Schwiegermutter muss sich ein junger Vater seit Montag erneut vor dem Landgericht Memmingen verantworten. Zum Prozessauftakt schilderte der 29-Jährige das schwierige Verhältnis zu der Frau, die - so glaubt er - seine Ehe zerstören wollte. Im Juni war der Prozess wegen Befangenheit einer Schöffin geplatzt. Im Laufe der Verhandlung hatte sich herausgestellt, dass die Schöffin Kontakt zum Umfeld des Opfers hatte. Der Prozess musste deshalb neu aufgerollt werden.

Der Angeklagte schilderte teilweise unter Tränen, wie seine Schwiegermutter ihn und seine Frau über Jahre hinweg unter Druck gesetzt, bedroht und ihnen mit Anschuldigungen das Leben schwer gemacht habe. Von Anfang an habe sie die Beziehung nicht akzeptiert. „Sie hat meiner Frau immer wieder gesagt, dass ich nicht gut für sie bin und dass sie mich verlassen soll.“

Im Oktober 2015 soll der Angeklagte mit einem Messer mindestens sieben Mal auf seine Schwiegermutter eingestochen und sie durch Stiche in den Hals und Oberkörper lebensgefährlich verletzt haben. Laut Anklage musste die damals 54-Jährige fünfmal operiert werden, sie trug Lähmungen in der Hand und im Arm davon.

Kurz vor dem Angriff war es zu einem Streit zwischen dem Angeklagten und seiner Frau gekommen. Sie hatte danach die gemeinsame Wohnung in Blaustein in Baden-Württemberg verlassen und war mit den beiden Kindern - damals eineinhalb und drei Jahre alt - zu ihren Eltern gefahren. In deren Haus in Ellzee (Landkreis Günzburg) soll der Angeklagte später unerwartet aufgetaucht sein und seine Schwiegermutter niedergestochen haben.

Der 29-Jährige gab an, er sei nach einer Nachricht seiner Frau sofort voller Sorge losgefahren. Von unterwegs habe er noch das Jugendamt und die Polizei angerufen, weil er Angst um seine Kinder hatte. „Ich wusste ja nicht, ob meine Frau freiwillig gegangen ist.“ Bevor er die Wohnung verließ, habe er ein Messer aus der Küche eingesteckt. Den Grund dafür wisse er nicht mehr genau. „Ich hatte enorme Angst - in erster Linie um meine Kinder.“

Die Verhandlung wurde am Montag bereits am Mittag unterbrochen. An diesem Mittwoch (10. August) soll der Prozess mit der Befragung des Angeklagten zum Tatablauf fortgesetzt werden.

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