Falsche Erziehungsziele bringen 21-Jährigen ums Haar ins Gefängnis

Manche Eltern sind kein Segen

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Rosenheim - In machen Fällen sind Eltern wirklich kein Segen: So bei einem 21-Jährigen, der jetzt vor Gericht stand, weil ihn sein Vater massiv negativ beeinflusst hatte...

Der Vater des ungelernten Angeklagten hatte ihm beigebracht - und dazu stand er auch in der Verhandlung - dass es die Bundesrepublik Deutschland gar nicht gebe. Deshalb seien auch die hier geltenden Gesetze "null und nichtig". Es herrsche hier Willkür ohne legitime Struktur und akzeptable Regeln.

Unter solchen Erziehungsvorgaben nimmt es nicht Wunder, dass der junge Mann erheblich vorbestraft ist: mehrfache gefährliche Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung und Beleidigung weisen seine Strafliste auf. Zweimal erlegte das Jugendgericht ihm eine Bewährungsstrafe auf. An Nachsicht wegen des problemati-schen Elternhauses fehlte es nicht. Nun aber würde er bei neuerlichen Verfehlungen für 18 Monate ins Gefängnis gehen müssen.

Elternhaus: Gesetze "null und nichtig"

Die Tatsache, dass er im Sommer 2011 einige Gramm Haschisch besaß, dass er sich bei einer Polizei-Kontrolle weigerte, sich auszuweisen, würde bei einem Unbescholtenen höchstens ein Kopfschütteln des Vorsitzenden Richters Herbert Schäfert auslösen. Mit diesen Vorstrafen jedoch und wegen der offenen Bewährung lag ein Gefängnisaufenthalt für den Angeklagten in Sichtweite. Dazu kam, dass er zu einem früheren Termin unentschuldigt nicht erschienen war. Auch das passte in das Bild vom Elternhaus, das Regeln und Vorschriften ignoriert.

Dem Gericht blieb keine andere Wahl, als gegen den 21-Jährigen einen Haftbefehl zu erlassen, um so das Erscheinen sicherzustellen. Darüber erboste sich der Vater im Gerichtssaal so lautstark, dass ihn der Richter massiv zur Ordnung rufen musste.

Der Bewährungshelfer berichtete, dass der Angeklagte bis März diesen Jahres aktiv mitgearbeitet hatte. Zwar hatte er zweimal die Lehrstelle hingeworfen, sich aber immer wieder um Arbeit bemüht. Offensichtlich hatte er auch dabei Probleme mit den Autoritäten am Arbeitsplatz, wo er wegen Nichterscheinens gekündigt wurde.

Sein Vater hatte ihm nun zu einer selbstständigen Tätigkeit geraten. Eine realistische Zukunftsperspektive hatte er nicht anzubieten. Allerdings war dem Angeklagten die Regelwidrigkeit seines Verhaltens bewusst. Auch der Bewährungshelfer bestätigte, dass der junge Mann von seinen Eltern nicht positiv beeinflusst wird.

Das mehrfache Bewährungsversagen war auch der größte Vorwurf, den der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag dem Angeklagten machte. Er beantragte die bereits bestehende Jugendstrafe von 18 Monaten auf 24 Monate zu erhöhen und nun nicht mehr zur Bewährung auszusetzen.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel, richtete in seinem Plädoyer die Worte zunächst an den Vater: "Sie haben es zu verantworten, wenn ihr Sohn hier und heute ins Gefängnis geschickt wird!" Er habe es verhindert, dass bei seinem Sohn die angemessene Reife und Einsicht in die Regeln dieser Gesellschaft entstanden sei. Er verwies aber auf den - im Grunde - positiven Bericht des Bewährungshelfers, der durchaus eine Verbesserung in der Einstellung des jungen Erwachsenen erkannt habe. Er bat darum, den Vater nicht über den Sohn zu bestrafen.

Michel beantragte eine Strafe, die seinem Mandanten letztmals eine Bewährung gestattete, zumal die Vergehen an sich nahezu vernachlässigbar seien, und regte dazu an, seinem Mandanten neben anderen Bewährungsauflagen aufzugeben, er habe eine schriftliche Arbeit zu erstellen über die Frage, ob eine Gesellschaft ohne Regeln leben und überleben könne.

Richter Schäfert erklärte in seiner Urteilsbegründung, dass der Angeklagte hier und heute eigentlich unverdientermaßen nachsichtig behandelt werde. Ihm bliebe nur zu hoffen, dass der das auch so erkennen möge. Er verurteilte ihn zu einer Einheitsjugendstrafe von zwei Jahren, die er nochmals zur Bewährung aussetzte. Schäfert begründete das unter anderem damit, dass der Angeklagte drei Wochen Vorführungshaft habe erleiden müssen und dadurch einen echten Eindruck davon erhalten hätte, was ihm für zwei Jahre drohe, wenn er auch dieses Mal die Bewährung nicht durchstehe.

Neben weiteren Auflagen griff der Richter auch die Anregung des Verteidigers auf, ihn die vorgeschlagene schriftliche Arbeit über zehn Seiten erstellen zu lassen. "Ich hoffe, Sie erkennen, dass diese Regeln nicht gegen Sie, sondern auch für Sie erstellt wurden", schloss der Richter die Verhandlung.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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