Thermen werden nicht geschlossen!

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Bad Endorf - Landrat Wolfgang Berthaler hat der Bürgermeisterin jetzt bestätigt, dass die Thermen nicht geschlossen werden. Dies war zuletzt nicht klar, wegen einem Schreiben des Landratsamtes.

Bürgermeisterin Doris Laban hat rosenheim24.de jetzt mitgeteilt, dass die Thermen nicht geschlossen werden. Das habe ihr Landrat Wolfgang Berthaler zugesichert. "Unsere Stellungnahme wurde gewürdigt. Wir haben natürlich einige Auflagen bekommen, die wir jetzt erfüllen müssen, doch die Thermen bleiben offen", freute sich Laban. Insgesamt sei der Brandschutz aber eine sehr große Maßnahme, die mehrere Millionen kosten werde: "Wir sind hier noch nicht soweit, um eine Komplett-Lösung darstellen zu können. Und wir werden sicher die Unterstützung vom Freistaat sehr stark brauchen."

Die Frist des Landratsamtes bis Samstag ist somit hinfällig. In einem Schreiben an die Marktgemeinde, die mit 75 Prozent an der "Gesundheitswelt Chiemgau" (GWC AG) beteiligt ist, hatte die oberste Behörde im Landkreis sie auf, sich bis zum Samstag zu den Verbesserungsmaßnahmen beim Brandschutz und der Statik des Gebäudes zu äußern. Bislang hatte das Landratsamt die baulichen Mängel noch geduldet. Doch in dem Schreiben wurde eine Nutzungsuntersagung der Chiemgau Thermen angedroht, sollte es bis Samstag keine detaillierten Angaben zu den Maßnahmen geben.

Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen meinte GWC-Vorstand Stefan Bammer im Vorfeld, dass man nun rund drei Millionen sofort für den aktuellen Brandschutz benötige. Der neue Vorstand, der seit Sommer 2014 im Amt ist, hat erst kürzlich sein neues Konzept vorgestellt. Um die "Gesundheitswelt Chiemgau" wieder auf Kurs zu bringen, sollen demnach rund zwölf Millionen Euro investiert werden. Auch der Brandschutz sei darin enthalten. Wie die OVB-Heimatzeitungen weiter berichten, habe das Unternehmen bereits an diesem Donnerstag die ersten Modernisierungen in punkto Brandschutz in Angriff genommen. Die Brandschutzanlage sei dazu mit der Leitzentrale einer Spezialfirma verbunden worden. Auch in Sachen Statik gehe es voran: Die Überprüfung der gesamten Statik sei bereits an ein Architekturbüro vergeben worden. Man warte allerdings noch auf das Ergebnis. 

Die Vorgeschichte der GWC AG

Für die Gesundheitswelt Chiemgau AG und ihre Tochtergesellschaft, die Chiemgau Thermen, ist es nicht das erste Mal, dass man ins Fahrwasser gerät. So gab es bereits im Juni 2009 eine Durchsuchung von Polizei und Staatsanwaltschaft in den Geschäftsräumen der GWC. Die Ermittlungen verliefen damals im Sand. Doch Ruhe wollte auch danach nicht einkehren im Unternehmen. Es folgten immer wieder Wechsel in der Führungsebene und auch finanziell war die Lage angespannt. Vor zwei Jahren ließ die GWC ihre Pachtverträge für die Chiemgau Thermen von einem Rechtsanwalt prüfen. Die GWC AG wollte so auch die Kündigungsmöglichkeit, aufgrund von Schriftformmängeln, ausloten. Doch die Marktgemeinde hielt an den Verträgen fest und so reichte das Unternehmen Klage beim Landgericht ein, die allerdings abgelehnt wurde. Es folgten wieder personelle Wechsel in der Führungsspitze. Finanziell steht das Unternehmen, und damit auch die Marktgemeinde, weiter unter Druck: Seit der Sanierung der Thermen vor zehn Jahren stehen sie vor einem Schuldenberg - Kredite in Millionenhöhe müssen zurückgezahlt werden. Bislang geschieht dies durch die Pacht der GWC, die jährlich rund 800.000 Euro beträgt. Doch die nun anstehenden Brandschutzmaßnahmen könnten für Bad Endorf neue Probleme bringen, geht es hier doch erneut um fünf bis sechs Millionen Euro. 

Die Stellungnahme der Marktgemeinde

Am Mittwoch, den 22.4.2015, fand im Landratsamt ein hochrangiges Gespräch zwischen Landrat Berthaler und Bürgermeisterin Doris Laban statt.

Thema waren die Auflagen, der im Januar 2014 erteilten Baugenehmigung bezüglich Brandschutz und Statik der Thermengebäude inklusive Kultursaal und Ambulantes Rehazentrum. Dabei wurde schnell klar, dass das Landratsamt von der bisherigen Position der Duldung des Betriebs abweicht und, trotz der laufenden Arbeiten an der Mängelbeseitigung, die zeitnahe Schließung der Therme erwägt. Bereits im Jahre 2011 war von offizieller Seite geprüft worden, ob Gefahr für Leib und Leben besteht. Dies wurde damals verneint. Seither gab es - außer diverser Brandschutz-Sofortmaßnahmen - keine nennenswerten baulichen Veränderungen an den Gebäuden.

Die Vertreter der Gemeinde signalisierten dem Landratsamt deutlich und mit Nachdruck, dass in Bad Endorf große Einigkeit, sowohl bei der politischen Führung, als auch in der Bevölkerung bestehe, dass die Therme als touristischer Leuchtturm und wichtiger Arbeitgeber Bad Endorfs und der Region unter allen Umständen erhalten werden solle. Die Gemeinde werde alles unternehmen, um die Auflagen zur Verhinderung einer Schließung zu erfüllen. In einem Dringlichkeitsgespräch mit den Fraktionssprechern des Gemeinderats am Mittwochabend wurde deutlich, dass darin bei allen politischen Gruppierungen Einigkeit besteht.

Bürgermeisterin Laban ist zuversichtlich, dass gemeinsam mit allen Beteiligten, Landratsamt, Regierung von Oberbayern, GWC AG und Gemeinderat eine für alle tragbare Lösung erarbeitet werden kann.

Die Stellungnahme der GWC AG 

Die Chiemgau Thermen Bad Endorf gehören zu den touristischen Leitbetrieben im Landkreis Rosenheim. Sie punkten nicht nur mit ihrem eigenen gesunden Jod-Thermalsole-Heilwasser, sondern auch mit Ruhe und Entspannung für seine Besucher.

Derzeit ist allerdings von Ruhe und Entspannung hinter den Kulissen wenig zu spüren. Aktuell hat sich die Situation wegen des Themas "baulicher Brandschutz" zugespitzt. Aufgrund der Größenordnung und der Tragweite des Themas ist es dem Vorstand der Gesundheitswelt Chiemgau AG besonders wichtig, die Öffentlichkeit über den aktuellen Verlauf zu informieren.

Das Gebäude der Chiemgau Thermen befindet sich im Eigentum der Marktgemeinde Bad Endorf und wird von der Chiemgau Thermen GmbH gepachtet. Nach der Generalsanierung durch die Marktgemeinde im Jahre 2005 sind seit zirka 2011 Diskussionen mit den Behörden hinsichtlich des baulichen Brandschutzes aufgekommen. Seither sind mehrere der geforderten Brandschutzmaßnahmen umgesetzt worden, lediglich die finale Umsetzung ist aus organisatorischen Gründen in Verzug geraten.

Nun erhielten die Marktgemeinde Bad Endorf und die GWC AG ein Schreiben des Landratsamtes Rosenheim mit der Androhung einer behördlichen Nutzungsuntersagung der Chiemgau Thermen. Der GWC AG liegt bis dato keine detaillierte Begründung und auch keine Information über den Zeitpunkt für die angedrohte Maßnahme vor.

Derzeit finden laufend klärende Gespräche zwischen Landratsamt, Gemeinde sowie der GWC AG statt. Die GWC AG setzt wie bisher alles daran, die Marktgemeinde bei der Erfüllung aller geforderten Brandschutzmaßnahmen zu unterstützen. Eine Schließung der kompletten Anlage hätte nicht nur für die Chiemgau Thermen GmbH als Betreiberin und für den gesamten GWC-Konzern massive Folgen. Auch die Marktgemeinde Bad Endorf und die gesamte Region wären überaus stark betroffen, zumal hunderte Arbeitsplätze dadurch gefährdet wären. Schon aus diesem Grunde hoffen die Verantwortlichen der GWC AG, dass in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde und dem Landratsamt eine einvernehmliche und konstruktive Lösung gefunden werden kann.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © re/Marktgemeinde Bad Endorf

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