Verhandlung vor dem Landgericht Traunstein

Gerichtsurteil: Jäger nehmen Vorwürfe gegen Biologin zurück

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Trophäen in der Hegeschau

Landkreis Berchtesgadener Land - Hegeschauen sind selten aufregend, jedenfalls bis jetzt. Denn seit vergangenem April stand der Vorwurf im Raum, die Wildtierbiologin Dr. Christine Miller habe sich illegal Zugang zu Jagdtrophäen verschafft:

In der Regel sind Hegeschauen eher selten aufregend. Seit April dieses Jahres ist das etwas anders. Denn seitdem hält der Vorwurf, dass sich die Wildtierbiologin Dr. Christine Miller mit illegalen Mitteln Zugang zu der öffentlichen Veranstaltung in Weng verschafft habe, die Jägerschaft, das Landgericht Traunstein und die Bevölkerung in Atem. Der Hintergrund dazu war, dass die Oberbayerin im Rahmen eines bayernweiten Gamsprojektes Daten über alle erlegten Gämse sammelte.

Basisinformationen zu einer Studie über die Gams

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat ein Projekt zur Beurteilung der aktuellen Gams-Population im Bayerischen Alpenraum begonnen. Im Rahmen des Projektes sollen Alter, Geschlecht und Gewicht aller im Rahmen eines Jagdjahres erlegten Gämse genau erfasst werden, um aus diesen Daten Rückschlüsse auf die lebende Population zu ziehen.

Dafür bieten sich die gesetzlich vorgeschriebenen Hegeschauen an, bei denen die körperliche Verfassung des Wildes und die strukturelle Entwicklung der Wildbestände als Information für die Öffentlichkeit dargestellt werden müssen. Aufgrund von Aussagen diverser Jäger auf einer kürzlich abgehaltenen Hegeschau steht die Mutmaßung im Raum, dass in der Berchtesgadener Region viel zu viele Jungtiere im noch nicht zeugungsfähigen Alter geschossen werden. Denn erst, wenn Zahlen zum Zustand der Art in Bayern vorliegen, dürfen Entscheidungen über vernünftige Jagd- und Schutzwaldkonzepte getroffen werden.

Probleme bei der Informationsbeschaffung

 „Die sorgfältige Auswertung der gezeigten Gamstrophäen braucht schon etwas Zeit. Deshalb hatten wir die Veranstalter, die Kreisgruppen und die Jagdbehörden gebeten, uns ein bisschen zu unterstützen. Das hat eigentlich überall gut funktioniert. Nur die Berchtesgadener Kreisgruppe und eine andere im Isarwinkel wollten das partout nicht“, erklärt Christine Miller. 

Als sie zeitig am 9. April im Wenger Hof eintraf, waren schon Bekannte im Saal. „Da sagt man natürlich Grüß Gott, wie es sich gehört“, so Miller. Doch für den ersten und zweiten Vorstand der Berchtesgadener Kreisgruppe war das bereits zuviel. „Frau Miller hat Hausfriedensbruch begangen“, sagte Jägerchef Hans Niederberger aus Ainring später den Journalisten

Und am Rednerpult legte er nochmal nach und bezichtigte Dr. Miller des Einbruchs. Sein Vize erstatte später auch Strafanzeige.

Ungerechtfertigter Vorwurf?

Doch Miller setzte sich zur Wehr – und hatte Erfolg. Vor dem Landgericht Traunstein trafen sich Mitte September die beiden Parteien. Dort stellten die Juristen schnell klar, dass die Vorwürfe unhaltbar waren und Niederberger stimmte zu: „Die am 9.4.2016 getätigten Äußerungen waren so nicht gerechtfertigt und auch nicht so gemeint – und sie werden auch nicht wiederholt“.

Jäger nehmen Vorwürfe zurück - Biologin geht als Siegerin heim

Ich freue mich, dass mein guter Name wieder hergestellt ist,“ bekräftigt Miller erleichtert. „So eine Affäre hat nicht nur meinem eigenen Ansehen geschadet. Sie wirft auch ein schlechtes Licht auf die Jägerschaft allgemein – als ob das alle Streithansel wären.“ 

Aber das Wichtigste ist für die Wildforscherin: „Jetzt können wir uns gemeinsam wieder darauf konzentrieren der Gams in Bayern zu helfen. Die Auswertungen der Hegeschauen haben nämlich schon eines gezeigt: Die Gamspopulationen werden gnadenlos übernutzt. Ich bin nach der Auswertung überzeugt: Es ist fünf vor zwölf!

Und was sagen die Jäger?

Leider haben wir die in den Vorgang involvierten Jäger noch nicht für eine Stellungnahme erreicht. BGLand24.de bleibt dran und hält Sie auf dem Laufenden.

Quelle: BGland24.de

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