Kliniken fordern 162.000 mehr Beschäftigte

Pfaffeneder: "Der böse Wind aus Berlin"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
"Mehr Personal ins Krankenhaus": Die zentrale Forderung der Gewerkschaft Verdi und der bundesweit 162.000 Protestteilnehmer
  • schließen

Rosenheim - Laut Schätzungen der Gewerkschaft Verdi fehlen 162.000 Beschäftigte in den Kliniken. Genauso viele Menschen protestierten am Mittwoch. Auch heimische Häuser waren vertreten.

Da staunte so mancher Patient auf den Balkonen des Rosenheimer RoMed-Klinikums nicht schlecht: Pünktlich um 13 Uhr versammelten sich zahlreiche Angestellte aus allen Krankenhaus-Bereichen vor dem Haupteingang zum Protest. Mit dabei: Transparente und Zettel, die ihren Forderungen Nachdruck verleihen sollten. Angeführt vom stellvertretenden Geschäftsführer von Verdi Rosenheim und Aufsichtsratsmitglied Robert Metzger, dem Geschäftsführer der RoMed-Kliniken, Günther Pfaffeneder und dem Betriebsratsvorsitzenden Volker Schmidt zeigten die Beschäftigten so auf, wie viele Stellen in den eigenen Reihen fehlten. Zugleich sprachen sich die Anwesenden im Namen aller Krankenhausmitarbeiter gegen einen Regierungsentwurf und damit verbundene Kürzungen aus.

70.000 fehlende Stellen in der Pflege

"Wir wollen eine gesetzliche Personalbemessung", forderte Robert Metzger dabei vor der versammelten Krankenhaus-Mannschaft. Defizite seien aktuell in sämtlichen Bereichen, die den täglichen Betrieb sicherstellen sollen, angefangen bei den Ärzten bis hin zur Verwaltung, zu erkennen, so Metzger. Alleine in der Krankenpflege liege der Bedarf bei rund 70.000 Personen. Der Gewerkschaftler sehe daher auch die Sicherheit der Patienten und auch die Gesundheit der Angestellten gefährdet. Um die Situation in den Griff zu bekommen bräuchte es "Investitionen in Personal und Material, die das Krankenhaus auch braucht", erklärt Metzger weiter. Von den benötigten acht Milliarden Euro sei die Bundesregierung lediglich bereit, im Rahmen des Pflegeförderprogramms 660 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.

Gesetzentwurf: Außen hui, innen pfui

Deutliche Worte fand auch Günther Pfaffeneder: "Außen steht Hilfe drauf, innen steckt aber nur zusätzliche Belastung", kritisierte der Krankenhaus-Chef die Gesetzesentwürfe der Bundesregierung. "Wir müssen diesem bösen Wind aus Berlin dringend Einhalt gebieten", so Pfaffeneder und weiter. "Schon jetzt klaffen die Tariflohnzuwächse und die Vergütung der Krankenhausleistungen weit auseinander. Die ambulante Notfallversorgung wird nicht annähernd kostendeckend vergütet." Das Reformpaket kündige eine Qualitätsoffensive und ein Pflegeförderprogramm an, stecke aber zusätzlich voller Kürzungen, kritisierte Pfaffeneder. Die Patienten litten unter den Umständen bisher glücklicherweise noch nicht. 

Einen Schritt weiter noch ging Volker Schmidt, der Betriebsratsvorsitzende der Klinik: "Nur die permanente Überlastung der Beschäftigten verhindert, dass die Versorgung zusammenbricht," selbst an freien Tagen leisteten die Mitarbeiter mittlerweile Extra-Schichten.

Bilder von der Protest-Aktion vor dem Eingang der RoMed-Klinik in Rosenheim

Die Protest-Aktion am Rosenheimer Klinikum

Auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zeigte sich mit den Klinik-Angestellten solidarisch: "Es quietscht im Gebälk der Gesundheitsstruktur", fasste Bauer die momentane Situation zusammen. Sollten die Krankenhäuser nicht besser finanziell ausgestattet werden, befürchte sie den "Untergang der Daseinsvorsorge auf kommunaler Ebene". Sie bedauerte dabei, dass dieser Streit dabei einerseits auf der hohen Kompetenz Mitarbeiter, aber auch andererseits auf dem Rücken der Bürger und Patienten ausgetragen werde. Sollten die Strukturen auch weiterhin absichtlich kaputt gemacht werden, könne man eine Versorgung der Bevölkerung schlicht nicht mehr lange gewährleisten, so das Stadtoberhaupt.

Gemeinsam mit der Rosenheimer Klinik protestierten im Landkreis auch die Mitarbeiter der Häuser in Bad Aibling und Wasserburg. Bundesweit gingen insgesamt rund 162.000 Beschäftigte auf die Straße, genauso viele also, wie laut Verdi zu einem angemessenem Betrieb der Krankenhäuser nötig wären.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser