Landesvorsitzender der "Jungen Alternative" kommt aus Bad Aibling

Herr Winhart, sitzen Sie 2017 im Bundestag? 

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Im Interview offenbarte Andreas Winhart auch, dass seine Arbeit als Landesvorsitzender der Jungen Alternative auch für sein Ego gut ist. In Richtung der CSU, von der er sich nicht richtig gefördert sieht, sagt er: "Ja, ich kann es doch!"

Rosenheim/Bad Aibling - Andreas Winhart engagierte sich lange Jahre in der CSU. Nun ist er Landesvorsitzender der Jungen Alternative (JA), der Jugendorganisation der AfD. Ein Interview. 

In dem Gespräch mit rosenheim24.de erklärt Andreas Winhart:

  • Wieso er noch eine "offene Rechnung" mit der CSU hat
  • Wieso sich die Rosenheimer AfD über Aussagen von Björn Höcke und Frauke Petry ärgert
  • Ob der initiierte Facebook-Shitstorm gegen den Mail Keller ein Fehler war
  • Und welche Chancen er sich als JA-Landeschef bei der Bundestagswahl 2017 ausrechnet

Interview 

Herr Winhart, ist die AfD aus ihrer Sicht eine rechtspopulistische Partei?

Die AfD ist konservativ-bürgerlich in der Gesellschaftspolitik, pragmatisch in der Außenpolitik. Natürlich muss man auf sich aufmerksam machen - aber wir sind definitiv nicht rechtspopulistisch, weil wir sehr stark inhaltlich und basisdemokratisch arbeiten. So wie ich es in meinen 15 Jahren CSU-Mitgliedschaft nicht kennengelernt habe.

Sie sprechen ihre CSU-Vergangenheit an. Welche Rolle spielte Ihr schlechter Listenplatz bei der Kommunalwahl 2014 bei Ihrem Parteiaustritt?

Meine Zweifel an der CSU haben schon nach dem Studium 2009/2010 angefangen, als ich wieder hier in der Rosenheimer Land-CSU aktiv wurde. Ich habe eine gewisse Antriebslosigkeit festgestellt. In meiner Schulzeit war noch der Stoiber-Esprit drin, es waren noch die klassischen konservativen Werte, die mir persönlich wichtig sind. Danach war es eher die JU-Gruppensitzung am Tisch, dann machst du dein Gruppenfoto mit Klaus Stöttner, trinkst deine zwei Weißbier und gehst wieder heim. Diskussionen gab es gar nicht mehr. Aber es gab damals noch keine Alternative. Dann habe ich zum Stephan Schlier (CSU-Ortsvorsitzender Bad Aibling, d.Red.) im November 2013 gesagt: „Wenn es nichts wird mit der Kommunalwahl, dann bin ich weg!“

Das heißt, wenn es geklappt hätte mit dem Aiblinger Stadtrat, dann wären Sie noch CSU-Mitglied?

Dann wäre ich der ewige Querulant in der CSU geblieben, ja. Ich habe mir immer den Luxus einer eigenen Meinung gegönnt. In der AfD hat man damit kein Problem – im Gegenteil.

Die AfD fällt oft mit sehr provokanten Tönen, Zuspitzungen und auch einem aggressiven Politikstil auf. Beispiele: Die Diskussion um den Schießbefehl an der deutschen Grenze – oder in Rosenheim der von ihnen initiierte Shitstorm gegen den Mail Keller. Muss die AfD nicht langsam mal einen Gang runter schalten?

Wir sind immer die Ein-Thema-Partei, wir kommen immer nur mit einem Thema medial durch: Früher mit dem Euro, heute mit der Asylfrage. Das ist ein sehr emotionales Thema, mit dem man auch leichter in den Medien Gehör findet, weil es die Leute unter den Fingernägeln brennt. Wenn man aber in die Partei hineinschaut, ist sie sie viel ruhiger und zurückhaltender als sie wahrgenommen wird. Ich habe aber auch das Gefühl, dass man von uns auch nichts anderes hören will. Ein Mann wie Herr Höcke (AfD-Fraktionschef im Landtag von Thüringen, d.Red.) mit seiner extrem rechten Linie könnte aber nicht die Mehrheit der Partei hinter sich versammeln. Bei Weitem nicht! Aber wenn Björn Höcke was sagt, schrillen bei allen Journalisten die Alarmglocken. Er kann dieses Echo entfachen. Das ist für uns vor Ort schade und wir ärgern uns maßlos darüber. Das Gleiche gilt für den Schießbefehl-Satz von Frau Petry.

Und das Thema Mail Keller – war das ein Fehler? Als eine Partei aufzutreten, die öffentlich Stimmung gegen einen Wirt macht?

Da spielte auch persönliche Enttäuschung eine Rolle, weil wir als verlässlicher Partner aufgetreten sind. Er ist vertragsbrüchig geworden. Aber wir würden es unter dieser Konstellation wieder machen, weil von drei anderen Parteien massiv Druck auf Gastwirte in der Region ausgeübt wird, die uns beherbergen.

Das erklärt vielleicht die Demo, aber nicht den initiierten Shitstorm von negativen Bewertungen gegen das Lokal auf Facebook. Das ist geschäftsschädigend. Sie wussten ja, dass auf Facebook Menschen den Mail Keller bewerten, die ihn noch nie besucht haben.

Wenn sich da Leute animiert fühlen, dann ist es ihre Verantwortung. Klar, ich habe meinen einen von fünf möglichen Sternen mit Freude vergeben. Der Mail Keller hat uns enorme Kosten und einen Image-Schaden verursacht. Umgekehrt haben wir es auch schon erleben müssen, dass Hotels, die uns beherbergen, einen Shitstorm von der anderen Seite bekommen haben. Beim Parteitag in Hannover beispielsweise.

Aber in Rosenheim ist das zum ersten Mal passiert. Sie erkennen also rückblickend keinen Fehler beim Vorgehen gegen den Mail Keller?

Nein, wir haben die Aufmerksamkeit erzeugt, die diese Frage braucht. Wir mussten da in die Offensive gehen, weil wir das Vorgehen dieser drei Parteien so nicht auf uns sitzen lassen konnten.

Sie betonen immer wieder, dass die AfD bürgerlich ist und rechte Ansichten in der Partei nicht mehrheitsfähig sind. Warum stellen Sie sich dann mit einem rechtsextremen Aktivisten beim Mail Keller auf die Straße, der jüngst vom Amtsgericht Rosenheim wegen Volksverhetzung verurteilt wurde?

Wir haben dreimal auf diesen Herrn eingeredet, ob er hier wirklich richtig ist und ihn auch gebeten zu gehen. Er war dort unerwünscht. Wir haben auch die Polizei angesprochen. Aber da wir zu einer öffentlichen Versammlung aufgerufen haben und er nichts Verbotenes getan hat, konnten sie auch nichts machen. Somit konnten wir ihn nicht des Platzes verweisen.

Im Vorstand der Oberbayern-AfD hat Benjamin Nolte ein Amt inne. Dieser Mann wurde durch einen rassistischen Eklat gegen einen Farbigen auf einem Burschenschaftstreffen bekannt. Warum ist so jemand, der auch zur vom Verfassungsschutz beobachteten Studentenverbindung Danubia München gehört, in ihrem Vorstand?

Ganz einfach: Weil er gewählt wurde. Es gab eine Kampfabstimmung zwischen ihm und mir um das Amt des dritten Stellvertreterpostens und da habe ich mit großer Mehrheit gewonnen (Nolte sitzt nun als stellv. Schriftführer im Oberbayern-Vorstand, d.Red.). Über diesen sogenannten „Bananen-Vorfall“, auf den Sie anspielen, brauchen wir nicht sprechen. Das ist ein absolutes No-Go.

Aus dem AfD-Bezirk Niederbayern kam nun ein Änderungsantrag zum Entwurf für das Grundsatzprogramm der AfD. In diesem Antrag heißt es: Der Bau und auch der Betrieb von Moscheen soll untersagt werden. Nicht nur für verfassungsfeindliche islamistische Vereine – sondern das soll für alle gelten. Ein Angriff auf die Religionsfreiheit…

Dieser Vorschlag entspricht nicht meiner Meinung, ich halte ihn auch nicht für brauchbar. Wenn es um den Bau von Moscheen geht, würde ich mich schon eher anschließen. Es geht mir darum, dass man ein gewisses Stadtbild erhält.

Wenn eine Moschee aus Sicht der AfD ins Stadtbild passt, darf sie also gebaut werden?

Man findet Moscheen in Deutschland meistens in Industriegebieten am Rand der Städte. Nun werden immer mehr Großmoscheen geplant, um auch bewusst ein Zeichen zu setzen: Wir sind da. Es ist der Wunsch der muslimischen Gemeinden, dass sie auch in den Mittelpunkt rücken. Und da sage ich: Das ist schwierig.

Man will damit aber doch ein Teil dieser Gesellschaft sein und im Herzen der Stadt auch sichtbar werden.

Wir bestehen schon auf die christliche Werteprägung. Das ist ein wichtiger Punkt für die AfD. Das halten wir für schützenswert. Wenn wir jetzt einen „Prunkbau“ mit Minarett haben, dann ist das eine Veränderung, die wir nicht wollen.

Sie sind Landesvorsitzender der Jungen Alternative in Bayern. Im nächsten Jahr stehen Bundestagswahlen an. Als JA-Landesvorsitzender hätten Sie wohl einen Anspruch auf einen aussichtsreichen Listenplatz. Werden Sie kandidieren?

Die Diskussion um die Liste ist noch nicht eröffnet. Für mich persönlich kann ich sagen: Man muss einfach abwarten. Ich arbeite nicht konkret darauf hin. Das würde keinen Sinn machen. Man weiß ja auch noch nicht, wie die Stimmung dann bei den Wählern ist. Es macht mir einfach Spaß, es ist jedoch noch immer ein Hobby. Aber ich habe definitiv noch eine Rechnung mit der CSU offen. Dort hat man mich nicht so lassen, wie ich wollte. Mit jedem neuen Mitglied, mit jedem neuen JA-Kreisverband, den wir aus dem Boden stampfen, kann ich für mein persönliches Ego sagen: Ja, ich kann es doch!

Das Interview führte Marcel Görmann

Quelle: rosenheim24.de

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