Mehr Sicherheit für Wiesn-Besucher

7-Punkte-Plan für Terrorschutz auf dem Herbstfest

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Die Wiesn-Wache wird 2016 wohl häufiger Streifzüge über das Gelände machen müssen.

Rosenheim - Axt-Attacke im Zug in Würzburg, Selbstmordanschlag vor dem Musikfestival in Ansbach - beides Taten mit IS-Hintergrund. Dazu weitere IS-Anschläge in ganz Europa und der wohl rechtsextremistisch motivierte Amoklauf in München: Das Sicherheitsgefühl der Menschen in Bayern leidet.

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Vor diesem Hintergrund diskutierte der Stadtrat am Mittwochabend darüber, wie man das Großereignis Herbstfest vor einem Anschlag besser schützen kann. Doch bereits zuvor wurde schon gehandelt - am Mittwochnachmittag trafen sich Stadtverwaltung und Polizei zu einem Gespräch. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sucht zudem den Kontakt zu Münchens OB Dieter Reiter, um sich mit ihm abzustimmen, was in der Landeshauptstadt zum Schutz des Oktoberfestes getan wird

Die Überlegungen für mehr Sicherheit auf dem Herbstfest Rosenheim

Noch wird überlegt, doch die Grundzüge und Ideen zur Verbesserung des Sicherheitskonzeptes für das Herbstfest wurden am Mittwoch deutlich. Herbert Hoch, Leiter vom Dezernat für Recht, Sicherheit, Ordnung, stellte den Stand der Überlegungen im Stadtrat vor. 

1. Wiesn-Wache schon früher besetzen 

In den letzten Jahren lief der Sicherheitsdienst des Veranstalters ab 11 Uhr über das Herbstfest-Gelände und kontrollierte stichprobenartig die Besucher. Ab 16 Uhr verstärkte die Polizei mit eigenen Streifen die Arbeit des Security-Dienstes. Nun wird überlegt, die Wiesn-Wache bereits vor 16 Uhr zu besetzen. Bislang war die Wiesn-Wache nur an Wochenenden und Familientagen bereits ab 12 Uhr im Einsatz. 

2. Mehr Personal für den Sicherheitsdienst 

Damit einhergehend wurde von Seiten der Stadt bereits mit dem Veranstalter darüber gesprochen, den Security-Dienst personell aufzustocken. 

3. Effektivere Eingangskontrollen 

Eine flächendeckende Eingangskontrolle von über einer Million Besuchern an den 16 Wiesn-Tagen sei laut Dezernet Hoch "logistisch kaum zu realisieren". Jedoch könnte hier eine personelle Aufstockung für mehr Stichprobenkontrollen eine Alternative sein. 

4. Rucksackverbot 

In Eilanträgen forderten sowohl die CSU- als auch die SPD-Fraktion ein Verbot von Rucksäcken auf dem Herbstfest. In Ansbach hatte der Täter seinen Sprengsatz in einem Rucksack versteckt. Ein wichtiger Punkt, der aber noch geklärt werden muss: Gilt das Verbot auch für größere Handtaschen? Sprengsätze können zudem auch z.B. in Einkaufstüten versteckt werden. Und wird es ein Rucksack-Depot/eine Gepäck-Aufbewahrung geben für Besucher, die von dem Verbot nichts mitbekommen haben? 

5. Einzäunung 

Vorteil einer Einzäunung wäre, die Besucherströme besser zu kanalisieren und so Stichprobenkontrollen effektiver gestalten zu können. Nachteil jedoch: Bricht auf dem Wiesn-Gelände eine Panik aus, gibt es weniger Fluchtmöglichkeiten. Daher ist es fraglich, ob diese Maßnahme kommen wird. 

6. Videoüberwachung 

Hier machte der Stadtrat am Abend den Weg für die Neuinstallation einer stationären Videoüberwachung im Bereich Hofbräukomplex frei. Auf dem Herbstfest gibt's sowieso schon eine Videoüberwachung. 

7. Straßensicherung 

Um einen Lkw-Anschlag wie in Nizza zu verhindern, könnte ein besserer Schutz der umliegenden breiten Zugangsstraßen gewährleistet werden. Laut Dezernent Hoch gibt es hier zwei Ansatzpunkte: Der Aufbau von Hindernissen, wobei Rettungswagen und Feuerwehrfahrzeuge nicht an einer Durchfahrt behindern werden dürften - oder die Sperrung von Straßen Laster. Solche Sperrungen, etwa zu den Abendstunden, wenn die Lieferfahrzeuge schon durch sind, müssten allerdings polizeilich kontrolliert werden. 

Was ist nach der Wiesn? 

Für CSU-Fraktionschef Herbert Borrmann geht es um eine "Einschränkungen von Möglichkeiten" für mögliche Attentäter. Dazu gehöre aber auch, dass man die Nachtbewachung, also das Treiben nach der Wiesn verbessere

Hinsichtlich der Stichprobenuntersuchungen an den drei Wiesn-Eingängen fragten der SPD-Fraktionsvorsitzender Robert Metzger und CSU-Stadtrat Daniel Artmann nach. "Wir haben am Stade de France in Paris und auch beim Musikfestival in Ansbach gesehen, dass Kontrollen am Eingang abschrecken können", so Artmann. Für Metzger ist es wichtig, dass nicht nur die quantitative Stärke der Sicherheitskräfte auf dem Gelände erhöht wird, sondern auch die qualitative. "Das ist etwas anderes, als wenn man gegen Wildbiesler vorgehen will. Die Kräfte brauchen ein geschultes Auge für eine solche Bedrohungslage", meinte Metzger. 

Dagegen gab CSU-Stadtrat Florian Ludwig zu bedenken, dass auch bei einer effektiveren Eingangskontrolle die Gefahr dann nur an eine andere Stelle außerhalb des Wiesn-Geländes verschoben wird. Für ihn ist daher eine Sicherung der umliegenden Straßen wichtig. 

Republikaner-Stadtrat Rudolf Hötzel fragte nach, ob es auch ein neues Sicherheitskonzept für die Rosenheimer Innenstadt in den anderen 50 Wochen gibt, in denen das Herbstfest nicht stattfindet. "Sollen wir dann jeden Zug bestreifen, in jedes Ladengeschäft und vor jede Kirche einen Polizisten stellen?", entgegnete Oberbürgermeisterin Bauer. 

Grünen-Stadtrat Franz Lukas äußerte abschließend sein Vertrauen in die Kompetenz der zuständigen Institutionen zur Verbesserung der Sicherheit. Auf der politischen Ebene sollte lieber darüber diskutiert werden, was man präventiv etwa im Bildungssystem tun kann, um eine Radikalisierung von Menschen zu verhindern und andere Perspektiven zu bieten. 

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Quelle: rosenheim24.de

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