Wegen Guttenberg: Uni Bayreuth fürchtet um guten Ruf

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Bayreuth -  Seit Jahrzehnten genießt die Uni Bayreuth einen exzellenten Ruf. Ausgerechnet ihr bisheriges Aushängeschild zu Guttenberg bringt sie nun in Schwierigkeiten. Schadensbegrenzung ist angesagt.

Guttenberg: Die besten Sprüche zur Plagiats-Affäre

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Tolle Studienbedingungen, hervorragende wissenschaftliche Leistungen, super Campus-Atmosphäre, optimale Betreuung - so werben Studenten für die Universität Bayreuth. Auch in den Rankings der bundesdeutschen Hochschulen belegen die sechs Bayreuther Fakultäten Spitzenplätze. Unvermittelt muss die Hochschule nun um ihren guten Ruf fürchten. Ausgerechnet ihr Aushängeschild, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), bringt die kleine, aber feine Universität in die Negativ-Schlagzeilen. Mit einer fehlerhaften, aber mit summa cum laude bewerteten Doktorarbeit.

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Deshalb will die jetzt auch prüfen, ob der Verteidigungsminister weiter für sie werben und zu Veranstaltungen eingeladen werden soll. Das erklärte der Universitätspräsident Rüdiger Bormann am Dienstag in Bayreuth. Dieser läuft seit einer Woche mit versteinerter Miene herum. Guttenbergs Doktorvater, der angesehene Staatsrechtler, Professor Peter Häberle, ist sogarvollends auf Tauchstation gegangen. Bormann bemüht sich um Aufklärung und Schadensbegrenzung. Ist der Fall Guttenberg symptomatisch für einen zu großzügigen Umgang der aufstrebenden Hochschule mit Doktortiteln, noch dazu bei einem Freiherrn wie zu Guttenberg? In seiner zweijährigen Amtszeit ist Bormann kein vergleichbarer Vorwurf untergekommen.

Auch Benjamin Horn, der Vorsitzende des Studierendenparlaments, spricht von einem Einzelfall. Darüber hinaus gebe es keinerlei Anzeichen, dass wissenschaftliche Arbeiten an der Universität Bayreuth unzureichend geprüft wurden, sagt Horn und fordert adäquate Aufklärung. “Damit ein Abschluss der Universität Bayreuth auch in Zukunft seinen guten Ruf behauptet und Akzeptanz innerhalb der Hochschullandschaft findet, ist es nicht hinnehmbar, dass wissenschaftliche Leistungen in Misskredit geraten“, betont er.

Ganz so einfach wie es sich Guttenberg nun vorstellt, einfach auf seinen Doktortitel zu verzichten, ist es nicht. Denn nach der Promotionsordnung kann er den Titel gar nicht zurückgegeben. Es liegt nach wie vor in der Hand der Promotionskommission der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, ob dem Minister der Doktortitel wegen unsauberer Arbeitsweise entzogen wird oder nicht.

Der Erfolg der Universität in der Stadt Richard Wagners beruht auf ihren zukunftsorientierten Ansätzen, ihrer fächerübergreifenden Forschung, großen Praxisbezogenheit und internationelen Ausrichtung. Vielfach sieht sie sich als Innovationsmotor, etwa in der Hochdruck- und Hochtemperaturforschung, der Systemökologie und der Erforschung neuer Materialien. Eine Sonderstellung genießt sie auch im Bereich der Afrikanologie, der interkulturellen Germanistik und mit dem Institut für Theaterwissenschaften, das sich speziell der Wagner-Forschung widmet.

Und ein besonderes Markenzeichen ist jene rechts- und wissenschaftliche Fakultät, an der Guttenberg von 1992 bis 1999 studiert und 2006 seine 475 Seiten umfassende Doktorarbeit abgegeben hat. Noch steht die Frage im Raum, ob sich die die Fakultät bei der Doktorarbeit des aufstrebenden Freiherrn im CSU-geprägten Bayern von politischen Vorgaben hat leiten lassen. Kenner der Uni verneinen dies. Ungeachtet der Affäre ziert noch immer ein Foto Guttenbergs die Internetseite von Absolventen der Universität.

dpa

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