Grobe Kostenschätzung oder Sicherheitsgutachten?

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Rüdiger S. weist den Vorwurf der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung von sich.

Bad Reichenhall/Traunstein - Versteinert sitzt er da, nicht ein Blick fällt auf die Nebenkläger, die Zuhörer oder die Medien. Es geht um den Mann, der Mitschuld am Eishallen-Einsturz haben soll.

Gutachter Rüdiger S. soll Mitschuld haben am Einsturz der Bad Reichenhaller Eishalle. 2003 hatte er im Auftrag der Stadt Bad Reichenhall die Eishalle untersucht und ihr einen guten Zustand bescheinigt. Drei Jahre später stürzte das Dach ein und tötete 15 Menschen, die meisten davon Kinder.

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Hätte die Stadt reagiert?

Zum zweiten Mal findet sich Rüdiger S. im Landgericht Traunstein ein. Dort wurde er am 18. November 2008 freigesprochen. Doch der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil. Es bleibt die Frage im Raum stehen: Hätte der Gutachter der Halle 2003 keinen allgemein guten Zustand bescheinigt, hätten die Verantwortlichen der Stadt dann reagiert?

Eine Frage, die die Angehörigen seit dem Verlust ihrer Lieben quält. "Ich bin immer wieder schockiert, wie viele Tatsachen bekannt waren und nichts getan wurde", erklärt Inge Bauer, die ihre Tochter in den Trümmern an der Münchner Allee verloren hatte. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen der Stadt eingestellt. Seit 1.1.2011 ist die Strafverfolgung verjährt.

Verteidiger Rolf Krüger (l.) will den Freispruch für Rüdiger S. (r.) bestätigt sehen. 

"Mein Mandat wird der letzte sein, der sich wegen dieses Unglücks verantworten muss", kritisiert Verteidiger Rolf Krüger. Für ihn sei das Urteil des Bundesgerichtshofes eine klare Vorlage für die Staatsanwaltschaft gewesen, die Ermittlungen sowohl gegen den damaligen Hochbauamtsleiter, die Stadtbaudirektorin und den Oberbürgermeister wieder aufzunehmen. "Dann wäre auch keine Verjährung eingetreten, da diese aussetzt, sobald jemand vom Verdächtigen zum Beschuldigten wird", erklärt er. Zum Beschuldigten werde man automatisch, wenn Ermittlungen eingeleitet würden.

Auch bei dem Angehörigen Robert Schromm stieß das Einstellen der Ermittlungen auf Unverständnis und er reichte Aufsichtsbeschwerde beim Oberlandesgericht in München ein, die diese jedoch mit der Begründung zurückwies, die Entscheidungen der Staatsanwaltschaft Traunstein seien nicht zu beanstanden. Ein Grund für Schromm am Donnerstag eine Strafanzeige wegen Strafvereitellung im Amt gegen den leitenden Oberstaatsanwalt Günther Hammerdinger einzureichen. Worauf dieser nicht näher einging.

Die weiteren Verhandlungstermine sind:

20., 22., 27. und 29. September sowie 11., 13., 18., 25. und 27. Oktober

jeweils um 9 Uhr am Landgericht Traunstein

Sein Kollege Andreas Miller äußerte nur, dass der Einsturz auf eine Vielzahl von Planungs- und Konstruktionsfehler zurückzuführen sei. Deshalb werde man den Auftragsumfang des Gutachtens im laufenden Verfahren klären. Während die Verteidigung nämlich von einer Kostenschätzung für eine Sanierung spricht, schweben auch die Begriffe Sanierungsstudie und Standsicherheitsgutachten im Raum. Je nach Auftrag hätte Rüdiger S. eine handnahe Untersuchung durchführen müssen und hätte dann die erheblichen Mängel der Dachkonstruktion festgestellt.

"Warum hat der Mann nicht gesagt, Leute so geht's nicht mehr", fragt Inge Bauer. "Hätte er was gesagt, hätte die Stadt die Halle gesperrt und meine Tochter wäre noch am Leben." Doch genau da ist sich die Verteidigung nicht sicher und auch die Nebenkläger wollen die Verantwortlichen der Stadt noch einmal im Zeugenstand sehen, dass sie Farbe bekennen müssen. "Hättet ihr was getan?"

cz

Quelle: BGland24.de

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