Demonstrationen draußen, Debatten drinnen

So lief der Petry-Auftritt in Grassau

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Grassau - Sie bekam nicht nur Applaus: Rund um Petrys Vortrag zur Geld- und Flüchtlingspolitik musste die AfD-Vorsitzende auch einigen Gegenwind aushalten - vor und im Heftersaal.

"Ich erwarte vom Bürgermeister und der Bevölkerung, diese Veranstaltung zu akzeptieren", meinte Frauke Petry auf der Pressekonferenz vor ihrem Auftritt im Grassauer Heftersaal am Donnerstagabend noch. Doch so kam es nicht: Um die 150 AfD-Kritiker protestierten in mehreren Gruppen rund um das Gasthaus gegen ihren Besuch.

Stimmung vor vollem Saal aufgeheizt

Die Proteste der vorwiegend jungen Demonstranten blieben friedlich, auch wenn die Polizei vereinzelte Personen herausgriff: Eine kleine Gruppe versuchte, den Eingang zum Heftersaal zu blockieren. Die Stimmung war allerdings aufgeheizt. AfD-Anhänger wurden als "Nazis" bezeichnet, Demonstranten durften sich von Besuchern die Titel "Tiere" und "Pack" gefallen lassen.

Fotos aus Grassau: Demonstrationen gegen Petry-Auftritt

"Diese 'Fußballmannschaft' an Demonstranten da draußen wurde doch abkommandiert", meinte der bayerische Landesvorsitzende der Partei, Petr Bystron. Die Nachfrage, von wem sie abkommandiert worden seien, konnte er dagegen nicht beantworten: "Ich bezweifle, dass die aus freien Stücken hier sind", meinte Bystron und vermutete Druck an den Schulen.

In seiner Rede vor dem Petry-Auftritt "bedankte" sich Bystron auch bei Grassaus Bürgermeister Jantke, der die Werbetrommel für die Veranstaltung gerührt habe. Ansonsten teilte der Landesvorsitzende vor allem in Richtung CSU aus: Sie sei nur noch eine kleine Regionalpartei, die aufpassen müsse, nicht zu einer "schrillen Minderheit" zu werden. 

Petrys Vortrag blieb nicht unwidersprochen

Die über 400 Plätze im Heftersaal waren schließlich allesamt besetzt, als Frauke Petry ihren Vortrag begann - einige Interessierte mussten draußen bleiben. Auch einige Kritiker der AfD waren mit im Saal, die die Reden oft mit ironischem Applaus begleiteten: "Das ist kein echter Applaus von dort oben", meinte Kreisvorsitzender Hartmut Kiesel an die Besucher gerichtet. Die Gruppe aus dem Saal entfernen zu lassen gelang ihm aber nicht. 

Frauke Petry sprach sich in ihrer Rede schließlich für Volksabstimmungen auf Bundesebene oder die Erhaltung des Bargeldes aus. Die Gemeinschaftswährung Euro und Kanzlerin Merkel wurden dagegen ins Visier genommen: "Die Vorfreude bei der Wende war wohl zu früh: Merkel hat das sozialistische Experiment über die Hintertür fortgesetzt." Auch die Sicherheitspolitik kritisierte sie: Während nach den Terroranschlägen in den USA 2001 immer vor Terrorismus in Deutschland gewarnt worden wäre, hätte man heute "unkontrollierte Zuwanderung" - ein Widerspruch in Petrys Augen.

Fotos aus Grassau: Der Auftritt von Frauke Petry im Heftersaal

Mehrmals betonte Frauke Petry das "gute Verhältnis" zur österreichischen FPÖ. In der letzten Zeit habe man schon mehrere gemeinsame Veranstaltungen gehabt. Auch die designierteSalzburger FPÖ-Parteiobfrau Marlene Svazek hielt eine kurze Rede im Heftersaal: "Lasst Euch nicht unterkriegen", rief sie den Besuchern zu. Für das gute Abschneiden von Norbert Hofer bei der österreichischen Präsidentschaftswahl erhielt sie großen Applaus.

"Wir sollten auch die Fragen von Andersdenkenden aushalten", betonte Petry: Nach ihrem knapp einstündigen Vortrag bekamen die Besucher die Gelegenheit der umstrittenen Frontfrau der AfD übers Mikrofon Fragen zu stellen. Auch dabei zeigte sich, dass viele ihrer Ansichten nicht unbedingt geteilt wurden. Gaulands Boateng-Sager wurde von den Besuchern ebenso kritisiert, wie die AfD-Familienpolitik oder deren Ansichten zum Klimawandel. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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