Angeklagte kommen einfach nicht

Tod von Franz Gsell: Prozess platzt wohl erneut

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Franz Gsell mit Ehefrau Tatjana

Nürnberg - Der Tod des Nürnberger Schönheitschirurgen Franz Gsell vor gut zehn Jahren soll von diesem Dienstag an erneut vor Gericht aufgerollt werden.

Allerdings rechnet selbst die Justiz kaum damit, dass der Prozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth tatsächlich zustande kommt: Nur einem der beiden im Ausland lebenden Angeklagten konnte die Ladung zugestellt werden, wie Justizsprecher Michael Hammer schilderte. Doch der Mann dürfte sich wohl kaum freiwillig auf den Weg von Rumänien nach Deutschland machen, wenn ihm eine Verurteilung wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge droht.

Im März 2003 war der 76 Jahre alte Promi-Chirurg Gsell an den Folgen eines Überfalls gestorben. Anfangs gingen die Ermittler von einem Zusammenhang mit einem Versicherungsbetrug aus. Gsells junge Witwe Tatjana wurde später auch wegen Versicherungsbetrugs verurteilt - sie war an dem Plan beteiligt, einer Autoschieberbande die wertvolle Limousine des Paares zum Verkauf in Osteuropa zu überlassen und zugleich wegen Diebstahls die Versicherungsprämie zu kassieren. Eine Beteiligung am Tod ihres Mannes konnte aber weder Gsell noch der Bande nachgewiesen werden.

Später entdeckten Polizisten bei einem Einbruch in Dänemark die gleichen DNA-Spuren wie am Nürnberger Tatort. Daraufhin kamen zwei Rumänen in Franken in Untersuchungshaft. Weil das Verfahren zu lange dauerte, mussten sie Anfang 2012 wieder freigelassen werden. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft nun vor, am 5. Januar 2003 den gebrechlichen Schönheitschirurgen bei einem Einbruch so massiv geschlagen zu haben, dass er Wochen später starb.

Käme der geladene Angeklagte nach Nürnberg, hätte er zunächst nichts zu befürchten - sein Haftbefehl wegen Fluchtgefahr ist außer Kraft. Selbst bei einer Verurteilung käme er erst dann in Haft, wenn das Urteil rechtskräftig geworden ist. Erscheint er hingegen nicht, kann das Landgericht einen Sitzungshaftbefehl erlassen, um ihn zur Teilnahme am Prozess zu zwingen. Ob der aber in Rumänien durchsetzbar ist, ist selbst unter Juristen strittig.

dpa

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