Doppelmord: Leider keine heiße Spur

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Rosenheim - Franz Müller ist noch immer auf der Flucht. Auch die Polizeiaktion am Nachmittag im Rosenheimer Süden führte nicht zur Festnahme des Gesuchten. Die Soko "Hochgern" wurde inzwischen fast verdoppelt.

Hinweise an die Polizei:

Haben Sie den gesuchten Franz Müller gesehen oder andere Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens an Lacramioara M. (37) und ihrem Sohn (3) führen können? Die Hinweistelefone der Polizei, Telefon 08031/200-3014 und –3016, sind rund um die Uhr besetzt.

Es tat sich was am Nachmittag im Rosenheimer Süden. User und die Polizei hatten rosenheim24.de an der B15 eine größere Polizeiaktion bestätigt. Laut Polizei wurde einem Hinweis aus der Bevölkerung nachgegangen. Die heiß ersehnte Spur war es jedoch wieder nicht. "Franz Müller wurde nicht gefasst", sagte ein Sprecher der Polizei.

Die Soko "Hochgern" ist inzwischen von 25 auf 45 Mann erweitert worden. Die Ermittler sind bislang 15 Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen. Noch ohne Erfolg.

Der Polizeibeamte Martin Winkler zeigt die druckfrischen Fahndungsplakate, die jetzt in Rosenheim aufgehängt werden

Am Bahnhof, an Bushaltestellen, an öffentlichen Gebäuden und wichtigen Brennpunkten in Rosenheim wie zum Beispiel dem Herbstfest brachten  Polizeibeamte außerdem rund 100 Fahndungsplakate mit dem Bild von Franz Müller an. Auf dem Plakat wird die Personenbeschreibung erweitert: Franz Müller hat eine kräftige Statur und trägt gerne Kopfbedeckungen, steht dort zu lesen. Die Beamten wollen den Fahndungsdruck jetzt massiv erhöhen.

Offiziell gibt es dazu keine Stellungnahme, aber die Beamten gehen scheinbar davon aus, dass sich der Verdächtige noch in der Region aufhält. Für diese These spricht, dass Franz Müller wohl nur geringe finanzielle Mittel bei sich führt.

Doppelmord: Fahndung mit Plakate startet

Insgesamt läuft die Fahndung nach dem 48-Jährigen auf Hochtouren. Bereits am Mittwochmorgen wurde nach einem Hinweis aus der Bevölkerung eine Kleingartenanlage in Rosenheim durchkämmt. "Wir haben mehrere Waldstücke im Rosenheimer Westen und in Großkarolinenfeld durchsucht", sagte Polizei-Pressesprecher Konrad Rutzinger auf Anfrage von rosenheim24. Der Polizei ist es ein besonderes Anliegen, die Bevölkerung nicht zu beunruhigen oder in Panik zu versetzen: "Wir gehen jeden Hinweis nach, egal ob er eher vage oder konkret ist. Es wird alles erdenklich Mögliche getan, um den Verdächtigen schnell zu fassen."

Angeblich hatte es am Dienstagabend auch bereits eine Suchaktion in einem Zug in Berchtesgadener Land gegeben. Aus Polizeikreisen in Freilassing hieß es dazu aber auf Nachfrage von bgland24.de, man wisse davon nichts.

Suchaktion der Polizei am Mittwochvormittag:

Doppelmord: Große Suchaktion am Mittwochvormittag

Insgesamt scheint es noch keine heiße Spur zu geben. „Wir haben noch kein Ergebnis”, sagte am Mittwoch ein Sprecher der Mordkommission „Hochgern” etwa über die massiven Suchaktionen im Raum Rosenheim. Die Polizei schließt laut dpa-Informationen nicht aus, dass Franz Müller bewaffnet ist. Konkrete Hinweise darauf, dass Müller eine Waffe bei sich hätte, gebe es aber laut Polizei nicht.

Auf die Frage, ob Franz Müller denn für die Öffentlichkeit eine Gefahr sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein dem Oberbayerischen Volksblatt (Bericht in der morgigen Ausgabe): "Nein, er ist nicht allgemeingefährlich."

Laut BILD soll Franz Müller wegen versuchten Totschlags vorbestraft sein. Das Opfer damals war angeblich seine erste Ehefrau. BILD behauptet, Franz Müller habe ihr mit einer Flasche so lange auf den Kopf geschlagen, bis sie sich nicht mehr gerührt habe. Auf Nachfrage von rosenheim24.de gaben weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft eine Auskunft, beide Stellen verwiesen auf den Datenschutz in dieser Sache.

Opfer stellte gegen Ex-Mann Anzeige

Die tz in München erhielt nach schriftlicher Anfrage folgende Auskunft von der Staatsanwaltschaft: "Zu möglichen Vorstrafen des Tatverdächtigen kann derzeit keine Auskunft gegeben werden. Der Beschuldigte ist der Tat zwar dringend verdächtig, seine Täterschaft steht jedoch nicht fest. Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist es in diesem Stadium des Ermittlungsverfahrens nicht zulässig, Auskünfte über etwaige Vorverurteilungen zu geben."

Die Staatsanwaltschaft bestätigte der Münchner Boulevard-Zeitung in derselben Mitteilung auch, "dass Frau M. am 18.06.2010 wegen Beleidigung bei der Polizei in Rosenheim Strafanzeige gegen den Verdächtigen erstattet hat. Ihr wurden von der Polizei auch weitere rechtliche Möglichkeiten aufgezeigt. Am 02.07.2010 hat sich die Verstorbene bei der Polizei gemeldet und ihren Strafantrag zurückgenommen, weil sich der Verdächtige bei ihr entschuldigt habe. Sie wünsche keine Strafverfolgung. Aufgrund dieser Tatsachen hat die Staatsanwaltschaft Traunstein -Zweigstelle Rosenheim- das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beleidigung eingestellt, da der nach § 194 StGB zwingend erforderliche Strafantrag fehlte."

Ein Annäherungsverbot von Franz Müller bei seiner Ex-Frau habe für das Jahr 2010 nicht bestanden.

Lesen Sie hier den Artikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Die Bewohner der Hochgernstraße sind fassungslos. Nett, aber zurückhaltend sei Lacramioara M. gewesen, ihr Bub schmächtig. "Die Frau durfte rein gar nix, man hat sie selten gesehen", erinnert sich etwa eine Mieterin aus dem Erdgeschoss.

Eine Nachbarin aus dem vierten Stock hat das Opfer und ihren Sohn ebenfalls in guter Erinnerung, eigentlich die "ganze Patchwork-Familie" - bis auf den Vater. Der sei Trinker gewesen, habe oft geschrien. Die Mieterin aus dem ersten Stock: "Es gab oft Streit, das hat man bis unten gehört. Vor allem, wenn er fernsehen wollte und der Kleine quengelte."

Die Rumänin Lacramioara M. hatte eine heute 15-jährige Tochter und einen zwölfjährigen Sohn mit in die Beziehung gebracht, bevor sie von dem Deutschrumänen Müller einen Sohn, Markus, bekam. "Auf einmal war er weg", stellten die Hausbewohner fest, als Müller eine Zeitlang ins Gefängnis musste. "Weil er seine Frau geschlagen hat", sind sie sich sicher. Nach seiner Haftentlassung schien die Beziehung beendet gewesen zu sein, der 48-Jährige mietete sich aber nur wenige Straßen weiter in eine eigene Wohnung ein.

Lacramioara M. mit ihrem Sohn Markus. Ausgerechnet Franz Müller, der Vater des Kindes, steht nun unter dringendem Verdacht, die beiden ermordet zu haben.

Laut Gerda H., einer Freundin Lacramioara M.s, durfte sich der gewalttätige Ex seiner Familie nicht mehr nähern. Dass er der Mörder ihrer Freundin und des kleinen Sohnes ist, hält nicht nur Gerda H. für möglich. H. hatte die schüchterne Frau im Kleiderladen des BRK kennengelernt und ein Vertrauensverhältnis zu ihr aufbauen können. "Ich werde sie vermissen, sie war so eine liebe und ehrliche Frau."

Familiendrama: Polizei sucht Spuren

Familiendrama: Polizei sucht Spuren

Die letzten Tage ihres Lebens hatten Mutter und Sohn in Rumänien verbracht, Lacramioara hatte ihre beiden anderen Kinder nach Rumänien zu Verwandten gebracht. Am Montag muss ihr Mörder sie dann aufgesucht haben - und sie in den Keller gelockt oder hinunter gezwungen haben. "Wenn da unten was passiert, hört man das oben nicht", erklären die Nachbarn, dort sei es "wie in einem Bunker".

Eine Hausbewohnerin jedenfalls habe die Leichen - unbestätigten Informationen zufolge die Frau erschlagen und das Kind erhängt - am Nachmittag im Keller des Hauses gefunden. "Ein Blutbad" muss dort stattgefunden haben, "ein Todeskampf", wird im Haus erzählt.

Seit gestern Vormittag fahndet die Polizei nun nach dem 48-jährigen Ex-Partner, von dem bislang "jede Spur fehlt". Wie die Polizei mitteilte, sei er "dringend tatverdächtig, die beiden ermordet zu haben". Wie aus Polizeikreisen weiter verlautete, ist der Mann möglicherweise bewaffnet. Sachdienliche Hinweise zu dem Flüchtigen erbittet nun die "Soko Hochgern" unter dem extra eingerichteten Hinweistelefon 08031 / 200 3014 oder 08031 / 200-3016.

Familien-Fotos der Opfer

Familien-Fotos der Opfer

Die Polizei fahndet derzeit nach Franz Müller, der zirka 1,70 Meter groß ist. Über seine aktuelle Bekleidung ist nichts bekannt.

Im Haus in der Hochgernstraße fühlen sich die verbliebenen Bewohner nicht mehr sicher, "in den Keller gehen wir nie wieder!" Einig seien sie sich auch darin: "Wir haben Glück gehabt, dass uns nichts passiert ist." Allerdings plagen die Nachbarn auch Zweifel - angesichts der Beziehungsprobleme des Opfers und des flüchtigen Müller: "Vielleicht hätten wir Nachbarn ein bisschen mehr drauf achten müssen, was da im ersten Stock vor sich geht?"

Stefanie Zipfer/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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