Ministerpräsident unter Beschuss

SPD startet Netzkampagne gegen "Drehhofer"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die verschiedenen Themen, zu denen Horst Seehofer seine Meinung geändert hat, werden als Karikatur dargestellt

München - Horst Seehofer muss sich mit schlechter Publicity rumschlagen. Die SPD hat im Internet unter dem Stichwort "Drehhofer" eine breit angelegte Kampagne gegen ihn gestartet - mit Erfolg.

Die SPD hat im Internet eine gezielte Kampagne gegen CSU-Chef Horst Seehofer und seine Wendemanöver der vergangenen Jahre gestartet. Auf der Seite drehhofer.de hat die sozialdemokratische Wahlkampfmannschaft penibel Seehofers mehrfache Kurswechsel aufgelistet und mit Seehofer-Zitaten belegt. „Negative campaigning“ - der orchestrierte Angriff auf den Ruf eines Kandidaten - ist in den USA gang und gäbe, war in Deutschland jedoch bislang eher selten. „Wir wollen ein humorvolles campaigning bringen mit ernstem Hintergrund“, sagte SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen am Donnerstag auf Anfrage. „Eigentlich weiß doch bei Schwarz-Gelb keiner mehr, wo hinten und vorn ist.“

Die einzelnen Panels kann der User jeweils zwei Mal wenden. Auf der ersten Seite ist Seehofers ursprünglicher Standpunkt nachzulesen, auf der zweiten Seite seine Kehrtwende.

Die Themen reichen vom Donau-Ausbau über die Studiengebühren bis hin zur Energie und Atomkraft - und das sind nur einige Beispiele. Zu jeder Kehrtwende gibt es eine Karikatur, die der User zwei Mal wenden kann. Auf der einen Seite beschreibt die SPD Seehofers ursprünglich kommunizierten Standpunkt, und die andere Seite dient dazu, die Kehrtwende zu dokumentieren. Die jeweiligen Quellen sind zudem verlinkt. Egal, welche Meinung man persönlich vertritt, der interaktive Charakter der Seite dürfte vielen Spaß machen. Wer drehhofer.de unterstützen will, wird von den Machern außerdem dazu aufgerufen, die Seite auf Facebook zu teilen, bei Twitter zu retweeten oder auf der eigenen Homepage zu verlinken. Dafür werden sogar extra vorgefertigte Banner in verschiedenen Größen angeboten.

Dass es sich um eine SPD-Seite handelt, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich - dies wird erst bei genauerem Hinsehen klar. Auf der Hauptseite ist ein Link zum SPD-Spitzenkandidaten Christian Udegesetzt, im Impressum ist Wahlkampfmanager Glaab als Verantwortlicher genannt. Erfunden habe das Wort „Drehhofer“ der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel auf der SPD-Aschermittwochskundgebung im vergangenen Jahr, sagte Glaab.

Er legt außerdem Wert darauf, dass es sich bei der „Drehhofer“-Seite nicht um bewusste Verdrehungen handle. „Wir gehen nicht unter die Gürtellinie, das sind die Fakten“, sagte Glaab am Donnerstag. Angelegt ist die Seite hauptsächlich für jüngere Wähler.

Seehofer Sätze mit dem "Drehhofer-Generator" selbst basteln

Begleitet wird die Aktion von Angriffen auf Facebook und Twitter. Bei Letzterem kann die Netzgemeinde unter dem Hashtag #drehhofer über die Beiträge diskutieren. Dort finden sich auch viele hämische Kommentare. So schreibt beispielsweise Pascal Jensen (@pscljnsn): "Es gibt Politiker, die haben eine Position. Und es gibt Horst #Drehhofer."

Doch nicht nur die SPD hetzt gegen den bayerischen Ministerpräsidenten. Auch die Grünen liefern ihren Beitrag in Form eines witzigen Tools mit dem Titel "Drehhofer-Generator". Thomas Pfeiffer, Diplom-Pädagoge und „Webevangelist”, hat auf seiner Homepage "Thomas Pfeiffer in den Landtag - Bündnis 90/Die Grünen" eine Unterseite geschaffen, auf der User Zitat-Fragmente von Horst Seehofer völlig frei zu eigenen Sätzen zusammenfügen können. Jedes Fragment ist mit dem Orginal-Ton des Ministerpräsidenten unterlegt. Am Ende liest Seehofer also selbst den aus seinen verschiedenen Aussagen zusammengestückelten Satz laut vor. Das Motto der Seite: "Gestalte deine eigenen Drehhofer-Sätze".

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt findet vor allem das Vorgehen der SPD alles andere als humorvoll: „Das ist der Beginn des SPD-Schmutzwahlkampfs, den wir vorhergesehen und erwartet haben“, sagte Dobrindt. Ein solcher Schmutzwahlkampf passe zu dem „verdorbenen Politikstil“ von Ude und Rinderspacher. „Der SPD-Schmutzwahlkampf wird scheitern, weil die Menschen in Bayern einen fairen und sauberen Wahlkampf wollen.“ Bislang hatte die CSU bei ihren Internet-Aktivitäten mit Seehofers Facebook-Party und Seehofers Facebook-Lieblingsliedern die Nase vor der Opposition. Im Gegensatz zur Opposition ignoriert die CSU im Internet aber die politischen Gegner weitgehend.

dpa/mm

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser