Ruhestörung und Wildbieseln in der Innenstadt

Schwaller: "Eine Stadt braucht Leben!"

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Bürgermeister Schwaller verteidigt konsequent die Jugendlichen in Bad Aibling
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Bad Aibling - Anwohner der örtlichen Party-Meile in der Innenstadt beschweren sich schon länger über unhaltbare Zustände im Nachtleben. Wie der Bürgermeister die Situation einschätzt:

Eine Zeitlang war es ruhig im Aiblinger Nachtleben. "Eine gewisse Zeit nachdem wir uns an rosenheim24.de gewandt haben, kehrte in der Schmiedgasse und Umgebung Normalität ein", berichten die Anwohner der Innenstadt. Seit ein paar Wochen hätten die Vorkommnisse rund um Ruhestörung, Sachbeschädigung und Wildbieseln wieder zugenommen. Die Anwohnerversammlung im Bereich Schmiedgasse, Am Bichl, bis zur Bahnhofstraße hat daraufhin in einer Sitzung beraten, was gegen die "Zustände am Wochenende" unternommen werden kann.

"Leben und Leben lassen" - getreu diesem Grundsatz wollen die Anwohner eine Schließung der Lokale in der Innenstadt nicht vordergründig durchsetzen, dahin gehend ist sich die Versammlung einig. Wie man konkret der Lärmbelästigung und der Verschmutzung trotzdem Herr werden soll, darüber herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. So wurden in der Versammlung unterschiedliche Ansätze diskutiert. Eine Möglichkeit Lärm und Verschmutzung einzudämmen, könnte über zusätzliche Präsenz von Ordnungskräften realisiert werden. Auch die Möglichkeit einer Art "Sofortkasse bei Ordnungswidrigkeit" einzuführen, wurde von den Anwohnern diskutiert. Eine Konsequenz einer verstärkten Präsenz wäre dann aber auch ein zusätzlicher Kostenfaktor für die Stadt selbst. "Die neuen Securities wollen ja auch bezahlt werden," kam als Gegenargument aus den Reihen der Versammlung.

Bürgermeister Schwaller verteidigt das Nachtleben

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Der Bürgermeister von Bad Aibling, Felix Schwaller, sieht in diesem Vorschlag noch eine andere Schwachstelle: "Ein privater Sicherheitsdienst hat gar nicht die rechtlichen Befugnisse dort entsprechend eingreifen zu können." Die beste Lösung, so der Bürgermeister, wäre eine personell und materiell bestens ausgestattete Polizeitruppe, die in besagtem Gebiet zu Stoßzeiten zu Fuß unterwegs sei. Das subjektive Sicherheitsgefühl im gesamten Innenstadtbereich könnte so drastisch gesteigert werden. "Leider ist das eine genauso unrealistische Forderung", resümiert Schwaller.

"Wir können froh sein, dass wir so couragierte Lokalbetreiber haben", so der Bürgermeister weiter. Die meisten würden sich persönlich um umtriebige Gäste kümmern und "auch schon mal auf den Tisch hauen." Das Streitobjekt in der Aiblinger Innenstadt sei ein fester Anlaufpunkt, nicht nur für die Jugendlichen aus dem Stadtgebiet. Auch für die umliegenden Gemeinden sei eine "lebende Aiblinger Innenstadt" von unschätzbarem Wert. So könne man sicherstellen, dass die Jugendlichen auch in der näheren Umgebung bleiben würden und es nicht zu einer Art "Discotourismus" kommen würde. Um diese Grundhaltung zu untermauern, habe sich Felix Schwaller bereits mit den Bürgermeistern des westlichen Rosenheimer Landkreises zusammengetan. Für Feste und Feiern im Umland habe man sich auf einen gemeinsamen Ausschankschluss um 01.30 Uhr geeinigt. Die Lichter gehen dort dann um spätestens 2.30 Uhr aus.

Gegen einen unschönen Trend, der in der Vergangenheit immer öfter zu beobachten sei, will Bürgermeister Schwaller nun verstärkt vorgehen: "Wildbieseln in der Innenstadt nimmt immer mehr zu, sowohl bei den Jungs und den Mädels. Das nimmt Überhand," so der Bürgermeister über einen der Hauptbeschwerdegründe der Anwohner Schmiedgasse/Am Bichl/Bahnhofstraße. In Zukunft soll die Stadtwache hier vermehrt kontrollieren, das Ordnungsamt sei bereits beauftragt, die Verstöße verstärkt zu verfolgen. Eine höhere Strafe als die aktuell veranschlagten 30 Euro für die Ordnungswidrigkeit will Schwaller jedoch nicht ansetzen. Eine härtere Strafe stoße dabei an rechtliche Grenzen, so der Bürgermeister. "30 Euro sind für die wenigsten ein Problem, beim nächsten Mal überlegt er es sich aber dann doch mit Sicherheit."

Alkoholexzesse und Ruhestörung ein gesellschaftliches Problem?

"Dass die Jungen nicht ins Bett gehen anstatt zu feiern, werden wir nicht erreichen," unterstreicht Schwaller seine Absicht, die Aiblinger Jugendlichen auch in Zukunft in der Innenstadt feiern zu lassen. Schwaller erklärt gleichzeitig seine Meinung, dass die Ruhestörungen und Sachbeschädigungen nur von einem kleinen Teil der Jugendlichen verübt werden. Um dem Problem zu begegnen, müsse man eher auf die Jugendlichen einwirken, die "Störenfriede" in den eigenen Reihen von sich aus in den Griff zu bekommen. Man dürfe nicht alle Jugendlichen über den gleichen Kamm scheren, bei anderen Veranstaltungen im Stadtgebiet gehe es ja auch gesittet und geordnet zu. Als Beispiel führt der Bürgermeister die "Lange Nacht der Musik" an, die ja schließlich auch bei der Bevölkerung gut ankäme und deshalb zurecht auch finanziell gefördert werde.

Die Tatsache dass die Besucher des Aiblinger Nachtlebens ihre Notdurft lieber auf offener Straße verrichteten, führt Felix Schwaller auf eine Veränderung in der jugendlichen Mentalität zurück. "Das ist ein gesellschaftspolitisches Problem, es ist einfach bequemer draußen zu pinkeln," erklärt der Bürgermeister. Eine Einrichtung zusätzlicher Toiletten hält Schwaller hingegen nicht für zielführend. "Es sind ja Toiletten in den Lokalen vorhanden." Die Besucher dazu zu bringen, beispielsweise Dixi-Klos im Hinterhof zu verwenden, könne sich Schwaller nicht vorstellen.

In Bezug auf die Ruhestörungen findet Schwaller klare Worte. "Rechtlich ist es so, dass im Mischgebiet ab 22 Uhr 45 dB(A) erlaubt sind. Wenn wir nach diesem Wert gehen, wäre zum Beispiel auch das Oktoberfest nicht durchsetzungsfähig." Abhilfe könne hier nur geschaffen werden, wenn die Lokale schließen, was wiederum auch nicht gewollt ist, so der Bürgermeister. Alles in Allem also ein Drahtseilakt, ein Spagat zwischen einer lebendigen Innenstadt und einem verlassenen, leeren Ortskern.

Runder Tisch im November

Für November sind noch einmal, wie bereits vor über zwei Jahren geschehen, neue Gesprächsrunden mit den Anliegern, dem Ordnungsamt, der Sicherheitswacht und der Stadtverwaltung geplant. Die Anliegerversammlung hatte aber bereits im Vorfeld angekündigt, sollte es nicht zu einer Einigung beim Streitthema "Nachtleben" kommen, weitere Maßnahmen zum Durchsetzen ihrer Interessen folgen zu lassen.

Quelle: rosenheim24.de

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