Nach Bergrettung: Vorwürfe gegen Bergbahn

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Rettungsaktion am Samstag am Untersberg.
  • schließen

Marktschellenberg - Sechs junge Männer halfen am Samstag einem abgestürztem Wanderer am Untersberg. Doch danach wurde es hässlich für die Ersthelfer.

Ein 62-jähriger Wanderer war am Samstag am Untersberg - auf dem Weg von der Toni-Lenz-Hütte zum Schellenberger Sattel - auf einem Schneefeld ausgerutscht und über 20 Meter abgestürzt. Glücklicherweise waren sechs Ersthelfer zur Stelle, die den Mann in Sicherheit brachten bis der Hubschrauber eintraf. Doch für die Helfer begannen damit erst die Probleme, berichtet jetzt das Internetportal Aktivnews.

Zusammen mit einem etwa gleichaltrigen Freund des verletzten Wanderers versuchten sie anschließend zur Bergbahn zu gelangen, um mit der letzten Gondel um 17 Uhr ins Tal zu fahren. "Doch wir haben schnell gemerkt, dass wir die Gondel nicht mehr rechtzeitig erreichen werden", berichtet heute der 24-jährige Österreicher Matthias Ranegger. Er war einer der Ersthelfer am Unfallort. Der Wanderkollege des verletzten 62-Jährigen sei zu diesem Zeitpunkt schon am Ende seiner Kräfte gewesen.

"Wir haben uns daher aufgeteilt, damit drei von uns zur Bergbahn vorausgehen konnten." Drei der Ersthelfer versuchten daraufhin schnellstmöglich zur Gondel zu gelangen. Ranegger rief währenddessen bei den Betreibern der Untersbergbahn an, um sie zu bitten, mit der letzten Talfahrt noch etwa 30 Minuten zu warten. "Ich habe dem Mitarbeiter erklärt, dass wir es wegen der Rettungsaktion nicht mehr rechtzeitig zur Bahnstation schaffen würden." Weiter habe er dem Mitarbeiter am Telefon klar gemacht, dass einer der Wanderer völlig erschöpft sei und den Abstieg nicht mehr zu Fuß bewältigen könne. "Doch der Chef des Betriebs hat gesagt, dass die Bahn maximal fünf Minuten warten könne." Weil den Wanderern klar war, dass sie die Bergbahn in dieser Zeit unmöglich erreichen können, machten sie sich sofort an den Abstieg zur Talstation.

"Danach wurde es ziemlich heftig"

Für die drei Ersthelfer und den Freund des verletzten Wanderers begann mit dem Abstieg ein wahres Martyrium. Über vier Stunden brauchte die Gruppe, um die Talstation zu erreichen. "Der Kollege des 62-Jährigen war so erschöpft, dass er zu uns gesagt hat, er bleibe jetzt im Wald liegen", erinnert sich Ranegger. Das letzte Stück mussten die vier im Dunkeln zurücklegen. "Der Abstieg war ziemlich heftig. Wir hatten alle fast keine Kraft mehr." Für den 24-Jährigen ist es bis heute unverständlich, wieso die Bahnbetreiber mit der letzten Talfahrt nicht auf die Wanderer warten konnten.

Ersthelfer am Untersberg

BGLand24.de hat heute mit einem Mitarbieter der Untersbergbahn gesprochen. Er kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen: "Im Notfall kann man die Bergrettung anrufen." Es komme fast jeden Tag vor, dass Kletterer oder Wanderer sich überschätzen würden. "Und die wollen dann auch immer, dass wir mit der letzten Talfahrt auf sie warten", so der Mitarbeiter. Es müsse ein guter Grund vorliegen, um das zu tun. Doch den sahen die Betreiber in dem vorliegenden Fall wohl nicht gegeben.

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser