DWD-Experte erklärt Häufigkeit und mangelnde Präzision der Unwetterwarnungen

Lieber eine Unwetterwarnung zu viel, als eine zu wenig?

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Wieso treten die DWD Unwetterwarnungen so oft nicht ein?

Landkreis - Gewitter hier, Tornado da - den Unwetterwarnungen des DWD zu Folge jagt ein Wetterextrem das andere in den vergangen Wochen in den hiesigen Landkreisen. Reagieren die Meteorologen aus Offenbach über?

Starkregen, Gewitter, orkanartige Böen bis zu Tornados - vor allem in den vergangenen Tagen und Wochen fielen diese Worte nur allzu oft im Zuge der anhaltenden Unwetterin den hiesigen Landkreisen. Viele Bewohner hatten den Eindruck, dass  zwar eine Unwetterwarnung des deutschen Wetterdienstes (DWD) die andere folgen würde, die vorhergesagten Wetterlagen allerdings überhaupt nicht eintraten

Auch wurden Meldungen vom DWD wieder aufgehoben. So hieß es beispielsweise am Donnerstag, dass in den Landkreisen Altötting und Mühldorf Tornados auftreten könnten, circa drei Stunden später wurde diese Warnung von den Wetterexperten des DWD aufgehoben.  

Frustration über ständige Warnungen

Ein User beispielsweise ließ seinen Unmut über die aktuelle Regelmäßigkeit der Unwetterwarnungen und deren mangelnde Präzision freien Lauf und schrieb, dass diese völlig überzogen seien und der Eindruck erweckt wird, dass jedes Mal die Welt unterginge. In einem "tatsächlichen" Ernstfall hätte eine Warnung dann nicht mehr die gewünschte Wirkung auf die Bevölkerung und würde eher belächelt werden.

Sprich: in Teilen der Bevölkerung wird der DWD als Schlechtwetterbote abgestempelt, dessen Warnungen häufig überhaupt nicht eintreten. Im Gespräch mit rosenheim24.de äußerte sich nun Volker Wünsche, Leiter der Niederlassung München des Deutschen Wetterdienstes, dazu und erläuterte, wie der Eindruck der Ungenauigkeit der Wetterwarnungen entstehen würde.

So entsteht eine Unwetterwarnung

Zunächst erklärte Wünsche, wie Unwetterwarnungen im Allgemeinen beim DWD entstünden. Dabei würde eine große Bandbreite an gesammelten Daten in einen Großrechner in der Zentrale in Offenbach eingespeist werden. Er liefert Rechenergebnisse für sehr viele Wetterparameter, die von den Meteorologen ausgewertet und interpretiert werden. Die Herausgabe von Unwetterwarnungen erfolgt auf der Grundlage eines umfangreichen Warnkataloges, in dem die Warnkriterien für Wetterwarnungen und Unwetterwarnungen festgelegt sind. So sei beispielsweise genau festgelegt, ab welcher Niederschlagsmenge pro Quadratmeter offiziell von Starkregen der Stufe 3 die Rede sei.

Das Warnsystem des Deutschen Wetterdienstes ist dreistufig aufgebaut. In der Frühwarnstufe werden Informationen bis zu fünf Tagen im Voraus herausgegeben mit der Formulierung einer groben Wahrscheinlichkeit für das Auftreten gefährlicher Wetterereignisse. Diese Information ist noch nicht konkret, aber ein erster Hinweis über zu erwartende gefährliche Wetterereignisse. In der zweiten Stufe werden Vorabinformationen Unwetter herausgegeben. Sie sind schon konkreter auf das zu erwartende Unwetterereignis hin formuliert. Werden die Erkenntnisse aus der Wetterüberwachung dann so konkret, dass eine gesicherte Unwetterwarnung herausgegeben werden kann erfolgt die Herausgabe einer solchen Unwetterwarnung für die voraussichtlich betroffenen Landkreise. Dies ist dann die dritte Warnstufe.

In Bayern werden durch die Regionalzentrale München des Deutschen Wetterdienstes die Unwetterwarnungen direkt und schnell an die Katastrophenschutzbehörden und Rettungsdienste übermittelt. Des Weiteren erfolgt die direkte und sofortige Übermittlung der Unwetterwarnungen an die Rundfunksender in Bayern, so dass die Öffentlichkeit umgehend informiert wird. Außerdem stehen im Internet unter www.dwd.de und in der kostenlosen WetterWarn-App des Deutschen Wetterdienstes hochaktuelle Warninformationen zur Verfügung.

Das bereitet dem DWD Probleme

Eine Unwetterwarnung wird je nach Größe des Wetterereignisse kurzzeitig (Gewitter, Starkregen) oder auch schon Tage im Voraus (z.B. im Falle von Sturm oder Orkan herausgegeben.

Laut dem DWD-Fachmann läge dies daran, dass Unwetterarten wie beispielsweise Starkregen, Gewitter oder sogar Tornados sehr plötzlich auftreten und sich über geringe Flächen von wenigen Quadratkilometern erstrecken würden. Die Früherkennung von Gewittern und Starkregen könne meistens erst 30 oder 60 Minuten vor deren tatsächlichen Eintritt erfolgen, bei Tornados wäre es sogar noch weniger.

Durch deren meist kurzes und örtlich sehr beschränkten Auftretens sei eine Vorhersage einfach extrem erschwert, erläuterte Wünsche weiter. Da aktuell die Unwetterwarnungen immer für ganze Landkreise herausgegeben werden würden, seien dann natürlich meist nur kleine Regionen oder Gebiete von dem Unwetter tatsächlich betroffen. Bei den "verschonten" Bewohnern entstünde somit schnell der Eindruck, dass die Unwetterwarnung im Allgemeinen überhaupt nicht stimme.

Besserung in Sicht?

Aber damit solle jetzt bald Schluss sein, deutete Wünsche an. Demnächst wären kommunale Unwetterwarnungen möglich, sprich: Extremwettersituationen könnten für Gemeinde angekündigt werden. Dies würde die Präzision der Vorhersagen natürlich signifikant steigern.

Martin Wiegand

Quelle: rosenheim24.de

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