M+E Industrie zieht durchwachsene Bilanz:

Dr. Friedrich: "Die Musik spielt im Ausland"

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(v.l) Frank Eberle, Wolfgang Firiedrich, Anton Klaus Kathrein und Klaus Rutz bei der Bilanz-PK zur Konjunkturumfrage der bayme vbm in Rosenheim
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Rosenheim - Mit gemischten Gefühlen betrachtet die heimische Metall- und Elektroindustrie die weltweiten Entwicklungen. Erste Konsequenzen sind dabei für die Betriebe bereits spürbar: 

Alles in allem zeigte sich Dr. Wolfgang Friedrich, der Vorsitzende bayme vbm Region Südostbayern, im Rahmen des jährlichen Gesprächs über die konjunkturelle Lage der Metall- und Elektroindustrie zufrieden. Neben der aktuell guten wirtschaftlichen Lage beobachte man in der Branche jedoch Tendenzen, die die Unternehmer eher etwas skeptisch auf die Zukunft blicken ließen. Mehr Geschäfte im Ausland und der starke Konkurrenz-Druck machten den heimischen Firmen zunehmend das Leben schwer.

In einem Bereich gibt Dr. Friedrich deutlich Entwarnung: "Der Beschäftigungszuwachs wird sich dennoch fortsetzen", so der Vorsitzende der Geschäftsführer von MBM Maschinenbau in Mühldorf. Mit derzeit rund 800.000 Beschäftigten in der bayerischen M+E-Industrie habe man nicht nur einen Höchststand im vergangenen viertel Jahrhundert erreicht, auch in Zukunft sollen weitere Arbeitsplätze entstehen. Bis zum Ende des aktuellen Jahres rechnete Friedrich mit insgesamt 20.000 neuen Stellen, die dann alleine 2015 entstanden sind.

Das sagen die heimischen Firmen

Trotz einer Steigerung bei den Exporten im ersten Halbjahr 2015 um 3,2 Prozent im bayernweiten Durchschnitt, gestalte sich der Ausblick in die zweite Jahreshälfte eher mäßig, so Friedrich weiter. "Die Unsicherheit und Skepsis unter den Unternehmern ist weiterhin groß. Es gibt einige Risiken, vor allem im weltwirtschaftlichen Umfeld", so der Vorsitzende. Neben der aktuellen Russland-Ukraine-Krise, sinkender Nachfrage aus den sogenannten Schwellenländern oder den aktuellen Entwicklungen in China, trügen auch die Entwicklungen innerhalb der Euro-Zone, allen voran die Unsicherheit in Bezug auf die griechischen Märkte, zu einer immer angespannteren Stimmung in der Industrie bei.

So halten die meisten Betriebe derzeit und wohl auch in der näheren Zukunft ihr Produktionsniveau auf dem aktuellen Level. Nur 11 Prozent der bayerischen M+E- Industrie planen, mehr Stückzahlen zu fertigen. 6,7 Prozent planen einen Drosselung der Produktion. Analog dazu auch die geplanten Investitionen: Neuen Prozent der Unternehmen wollen auch im zweiten Halbjahr mehr Geld in die Hand nehmen, 5 Prozent planen, das Investitionsbudget zurückzuschrauben. Alle anderen sehen vor, sich auch weiter im momentanen Rahmen zu bewegen.

Rente, Streiks und Ingenieur-Mangel beeinträchtigen Wettbewerbsfähigkeit

Neben den Einflüssen aus dem Ausland, machten den Unternehmer aber auch vermehrt die Rahmenbedingungen in Bayern zu schaffen. "Viele Produktionen sind hier einfach nicht mehr wettbewerbsfähig", sieht auch Anton Kathrein, der geschäftsführende Gesellschafter der Kathrein Werke KG aus Rosenheim. Um auch weiterhin im internationalen Geschäft mithalten zu können, habe sich bereits eine erste Verlagerung der Produktionsstätten in die jeweiligen Zielmärkte ergeben. Um die heimischen Standorte dafür wieder zu stärken, setze man hier vermehrt auf die Sparten Forschung und Entwicklung.

Ein Trend, der bereits in den zu besetzenden Stellen in der M+E-Industrie erkennbar sei, ergänzt Dr. Friedrich. So entfallen derzeit 60 Prozent der offenen Stellen auf Ingenieure, an- oder ungelernte gewerbliche Mitarbeiter werden dagegen nur in 1,5 Prozent aller Fälle gesucht.

"Unser Bild nach außen hat sich dramatisch schnell gewandelt", ergänzte Klaus Rutz, Geschäftsführer von ECOLAB Engineering in Siegsdorf. Seien die bayerischen Betriebe in der Vergangenheit noch für ihre Zuverlässigkeit bekannt und auch geschätzt worden, sorgten zum Beispiel immer häufiger werdende Streiks für ein anderes Bild bei den ausländischen Kunden. "Die Infrastruktur im allgemeinen entwickelt sich nicht so, wie wir uns es wünschen würden", ergänzte auch Frank Eberle, Geschäftsführer von ALPMA Alpenland Maschinenbau und rief zu einem Umdenken und Besinnen auf alte Werte in der Gesellschaft auf. So zählt er nicht nur die termingerechte Auslieferung der Produkte zum Schlagwort Infrastruktur, auch der aktuelle Stand der Digitalisierung in Bayern müsse dann in diesem Zuge weiter vorangetrieben werden.      

Quelle: rosenheim24.de

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