Baby getötet: Sechs Jahre Jugendstrafe

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Die Angeklagte Melanie F. verbirgt am Mittwoch (08.12.2010) während einer Verhandlungspause in einem Gerichtssaal des Landgerichts Bayreuth (Oberfranken) ihr Gesicht hinter einer Aktenmappe. Die 22 Jahre alte Mutter hat zu Beginn ihres Prozesses wegen Totschlags zugegeben, ihre sieben Tage alte Tochter mit tödlichen Folgen misshandelt zu haben.

Bayreuth - Eine junge Mutter schleudert ihre kleine Tochter so brutal gegen eine harte Unterlage, dass sie stirbt. Ihr neugeborener Sohn überlebt andere Misshandlungen schwerstbehindert. Jetzt wurde sie verurteilt.

Eigentlich will sie ihre weinenden Babys nur zur Ruhe bringen. Tatsächlich aber misshandelt die überforderte und hilflose 22-Jährige ihre wenige Tage alten Kinder so schwer, dass ihre Tochter stirbt und ihr Sohn sein Leben lang künstlich beatmet und ernährt werden muss. Die vor dem Landgericht Bayreuth angeklagte Frau aus Pegnitz (Landkreis Bayreuth) muss dafür nun mit einer Jugendstrafe von sechs Jahren Gefängnis büßen.

Das Gericht wertete die Taten als Totschlag, schwere Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen. Zum Zeitpunkt der beiden Taten war die Steuerungsfähigkeit der Frau nach Ansicht der Kammer erheblich eingeschränkt.

Die Täterin wuchs als überbehütetes Einzelkind auf. Ihre Schullaufbahn ist nach Ansicht des Gerichts nicht gerade von Erfolgserlebnissen gekrönt. Die Intelligenz der 22-Jährigen entspricht der einer 16-Jährigen. Sie will alles richtig machen, doch mit ihren beiden Neugeborenen ist die alleinerziehende Mutter jeweils überfordert, betonten die Richter.

Am 30. November 2008 nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Ihr zwei Tage alter Sohn beginnt mal wieder zu schreien. Versuche, ihn zu beruhigen oder zu stillen, scheitern. Statt eine Schwester zu rufen, packt die junge Frau den Kleinen und schüttelt seinen zarten Kopf kräftig hin und her. Der Kleine erleidet ein schweres Schütteltrauma und ist dauerhaft auf Pflege rund um die Uhr angewiesen.

Bald schon wird die Frau erneut schwanger. Doch auch im Umgang mit ihrem zweiten Baby zeigt sie sich unbelehrbar: In der engen Drei- Zimmer-Wohnung ihrer Eltern, in der sich auch ihr Sohn und dessen Pflegerin aufhalten, geschieht am 10. Oktober 2009 das Unfassbare: Ihre sieben Tage alte Tochter schreit, lässt sich nicht beruhigen. Mindestens viermal stößt die Mutter den Kopf des Babys massiv gegen eine harte Unterlage, vermutlich den Wickeltisch.

Die Kleine erleidet drei verschiedene Schädelbrüche und einen Nasenbeinbruch. “Die Verletzungen waren so massiv, dass null Überlebenschance bestand“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Eckstein. Das Mädchen stirbt sechs Stunden nach der Tat.

Aufgrund der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen der Angeklagten wendete das Gericht das Jugendstrafrecht an. Andernfalls hätte der Frau nach Einschätzung des Oberstaatsanwalts lebenslange Haft gedroht. Der Anklagevertreter sah zumindest einen bedingten Tötungsvorsatz im Fall des Mädchens und forderte achteinhalb Jahre Jugendstrafe. Die beiden Verteidiger sprachen dagegen von einer Affekttat. Sie stuften die “beispiellose Tragödie“ als Körperverletzung mit Todesfolge ein und plädierten auf vier Jahre Jugendstrafe.

dpa

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