
1. Sich mitteilen! Wer selbst Opfer von virtuellen Beleidigungen ist, oder den Eindruck hat, dass ein Freund betroffen ist: nicht schweigen! Es gibt genug Anlaufstellen, die helfen können: Eltern, Lehrer oder Schulsozialarbeiter haben da ein offenes Ohr. © dpa

2. Die Tücke beim Cyber-Mobbing: Es kann anonym passieren und wird oftmals nicht sofort als Mobbing wahrgenommen. Es kommt dann vor allem darauf an, wie es der Betroffene selbst empfindet. Kommentiert ein "Täter" beispielsweise unter einem Foto "Boah, bist du hässlich", kann das schon als Mobbing wahrgenommen werden, ungeachtet dessen, ob es tatsächlich so gemeint war. Daher: Immer überlegen, wie meine eigenen Worte beim anderen ankommen. So kann schon präventiv viel getan werden. © dpa

3. Ganz besonders heikel wird es, wenn ein "Täter" Bilder eines anderen ohne dessen Einverständnis im Internet veröffentlicht. Das sind oftmals intime oder peinliche Fotos. Zudem ist dieses Verhalten strafbar, denn es verletzt das Recht eines jeden auf sein eigenes Bild. © dpa

4. Um gegen das Cyber-Mobbing vorzugehen, gibt es verschiedene Wege. Zu allererst sollte man, wie in Punkt 1 erwähnt, Eltern, Lehrer oder Sozialarbeiter ansprechen. Dann ist der "Täter" zu informieren, wie verletzend seine Handlungen sind. Reagiert er darauf nicht, folgt ein persönliches Gespräch, später können auch die Eltern des "Täters" verständigt werden. Im äußersten Fall kann man eine Strafanzeige bei der Polizei stellen. Kommt es zu Sanktionen, liegen die in der Höhe von etwa 20 Sozialstunden, geht es um einen langwierigeren Fall, können auch Geldstrafen verhängt werden. © dpa

5. Von größter Bedeutung ist die präventive Aufklärung zum Thema Cyber-Mobbing. Jedem muss klar sein: Was ist Cyber-Mobbing, was kann ich dagegen tun, wie fühlt sich ein Opfer dabei, was richte ich an und wie sieht der rechtliche Aspekt aus. Schulsozialarbeiter bieten deshalb immer öfter Kurse und Projekttage zu diesem Thema an. © dpa

6. Mobbing passiert besonders oft innerhalb einer Schule, beziehungsweise innerhalb einer Klassengemeinschaft. Warum wird gemobbt? Der "Täter" möchte dadurch als "cool" dastehen, es dient oft auch as Ventil für aufgestaute Aggressionen. Außerdem wird beobachtet, dass Mobbing das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe stärkt, die sich zusammentut, um einen anderen zu drangsalieren. Die "Täter" demonstrieren durch das Mobbing ihre Macht. Nicht selten spielen auch Versagensängste eine Rolle - "lieber mobbe ich selber, bevor ich gemobbt werde." © dpa

7. Schulsozialarbeiterin Anna Lehrhuber von der Franz-Xaver-Gruber-Mittelschule in Burghausen erklärt die Anlässe und Auslöser für Cyber-Mobbing. Die wichtigsten Punkte sind Konflikte in einer Klassengemeinschaft. Die Probleme werden nicht mehr persönlich, sondern zunehmend über das Handy bzw. das Internet ausgetragen. Beispielsweise wird der "Klassen-Streber" nicht mehr direkt, sondern über soziale Netzwerke verspottet. Ein weiterer Punkt: Freundschaften verändern sich, brechen auseinander und wandeln sich in Hass- und Rachegefühle. Pubertäre Probematiken verlagern sich also in die virtuelle Welt. Wichtig ist auch: Das Weitergeben von persönlichen oder intimen Fotos geschieht oft ohne böse Absicht, wird vielmehr als Spaß empfunden. Kinder und Jugendliche sind sich oft nicht bewusst, was sie da anrichten. © ds

8. Wem das Outen als Mobbing-Opfer schwer fällt: Sozialarbeiter wie Anna Lehrhuber sind im Umgang mit der Problematik geschult und wissen, was zu tun ist. Sie behandeln außerdem jeden Fall erst einmal streng vertraulich. Mitteilen lohnt sich. Denn man ist nicht alleine. In Deutschland sind wohl zwischen 12 und 20 Prozent der Schüler von Cyber-Mobbing betroffen. Bei einigen Suiziden von Jugendlichen vermuten die Angehörigen, dass Cyber-Mobbing der Auslöser war. Anna Lehrhuber möchte alles dafür tun, dass es soweit nicht kommen muss. © ds